Uwe Steimle fordert einen britischen Tankrabatt und zieht Lehren aus dem Culture War für die Rentenreform – Vermischtes 13.10.2026

Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind nummerierte Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.

Fundstücke

1) Tankrabatt und Deutschlandticket

Ich habe weitere Artikel zum Tankrabatt. Obwohl mich Arianes bestechend simple Sichtweise, dass es letztlich ein Brotpreisindikator und quasi unvermeidlich gute Politik ist, den Tankrabatt zu machen, bleibt ein galliger Geschmack in der Kehle. Lukas Kissel verweist in „Ein bundesweiter Sozialrabatt wäre besser als der Tankrabatt“ etwa darauf, dass der dreimonatige Tankrabatt und ein Jahr Deutschlandticket beide 3 Milliarden kosten, nur dass das Deutschlandticket eine sehr zielgerichtete Möglichkeit der Entlastung wäre. Angesichts der 37% Preissteigerung in drei Jahren ist das auch ein Punkt, der bedacht gehört. Johannes Schneider legt auch den Finger in die Wunde, dass die Maßnahmen alle „den Gerechtigkeitsnerv getriggert“ haben. Er vermisst Kohärenz: wo der Sprit subventioniert wird, muss das auch für den ÖPVN gelten, und wo gesetzlich Versicherte leiden, müssten es auch die privat Versicherten. Nur dann könne die Opferbereitschaft erwartet werden, die gerade eingefordert wird. Und da hat er einen Punkt, den ich hier im Blog schon seit Langem betone.

2) Großbritannien

Christoph Giesen singt ein Loblied auf Any Burnham als Austauschvariante für Keir Starmer. Natürlich ist die offensichtliche Vergleichsfolie Friedrich Merz, den er ausgewechselt sehen will, weil der Führungswechsel in Großbritannien auch zu einer Erholung geführt habe. Die Umfrageergebnisse spiegeln das auch wieder. Die Erholung der Labour-Ergebnisse setzte etwa anderthalb Monate vor Burnhams Übernahme ein, also in der Zeit, als klar war, dass Starmer das Amt abgeben würde. Dafür zeigt sich im langsamen Abstieg Reforms – der von der Führungsspitze bei Labour überhaupt nicht beeinflusst scheint – ein längerer Trend. Ich bin aber skeptisch, was die direkte Übertragbarkeit der Ergebnisse angeht. Ein zentrales Problem der CDU ist nicht, dass Merz eine Nulpe ist, sondern dass die Partei innerlich völlig zerrissen ist. Die Übernahme eines konservativen Scharfmachers oder eines Liberalkonservativen wie Wüst (von einem Chaoten wie Söder einmal ganz abgesehen) würde da nichts ändern. Die CDU braucht Merz, er ist, im Wort seiner Erzfeindin, alternativlos.

3) Uwe Steimle

Anne Rabe war bei einem Kabarett-Auftritt von Uwe Steimle und ist entsetzt. Sie beschreibt eine plumpe Aneinanderreihung von Tabubrüchen und Zoten, zusammengehalten aus Appellen an die DDR-Nostalgie, mitsamt Absingen der Hymne und gemeinsamen Rufen des Jungpionierschwurs. Ich tue mich aber schwer damit, ihre tiefe Abscheu komplett nachzuvollziehen. Ja, viele von Steimles Witzen sind hochgradig und geschmacklos und vielfach auch dumm, aber sie erreichen nicht das Level des Zivilisationsbruchs, den Rabe offensichtlich verspürt. Vielleicht bin ich hier auch abgestumpft, aber „Hitler hatte einen Hoden und kam bis Stalingrad, Merz hat keine Eier und ist Kanzler“ ist für mich weniger Ausdruck eines krassen, neuen verbalen Gewaltniveaus als vielmehr Ausdruck des geringen Anspruchs des Publikums – was Rabe auch selbst erkennt, wenn sie erklärt, dass es letztlich die erwachsene Version von Pippi-Kacka-Witzen von Kindergartenkindern ist. Viel auffälliger für mich ist die ideologische Unbestimmtheit, die hier zum Ausdruck kommt. Diese Leute dockten vor 20 Jahren bei der LINKEn an, die damals die ostalgisch verklärte Seele Neufünflands pflegte, ehe sie sich erneuerte und endlich entschloss, ihr SED-Erbe weitgehend abzuschütteln. Stattdessen sind die ganzen Leute jetzt bei der AfD. Ich als Wessi kann das nicht verstehen, aber ich muss das auch nicht, ich bin nicht Steimles Zielgruppe. Die dauernde Opferhaltung und das Erkennen von Verschwörungen kenne ich noch gut aus dem linken Kabarett. Dass der militärisch-industrielle Komplex hinter der Ukrainekrise steckt, hätte auch Volker Pispers behaupten können. Diese Ressentiments und dumpfen Vorurteile sind ideologisch blind; sie knüpfen an einen Anti-Eliten-Vibe an, der im Osten auf ungleich größere Zustimmung stößt als im Westen, aber mittlerweile in ganz Deutschland einen festen Platz hat. Darin liegt die viel beunruhigendere Erkenntnis als die, dass DDR-Rentner in einem Saal über bemühte Tabubrüche lachen. Leute wie Steimle sollte man vermutlich besser ignorieren oder einfach canceln, statt sie mit Verhetzungsklagen zu adeln und ihnen die so offensichtlich gesuchte Bestätigung zu geben. Ich bin sicher, Pispers hätte sich nach Artikeln wie dem von Rabe in den 2000er Jahren die Finger geleckt.

4) Die GOP und der Culture War

Mit nur noch vier Wochen bis zu den Midterms versuchen die Republicans verzweifelt, ihre Verluste zu minimieren. Trump ist ungeheur unpopulär, selbst seine Migrationspolitik fällt bei den Wählenden durch. Die republikanischen Kandidaten wiederholen deswegen ihre Strategie von 2024 und pushen massiv das Thema von Transgender-Rechten. Elaine Godrey beschreibt dies im Atlantic als „The GOP’s Culture-War Hail Mary“ und analysiert das Potenzial dieser Strategie: es ist tatsächlich hoch, und die Democrats reagieren bereits, indem sie sich von den Trans-Aktivist*innen distanzieren – ein gefährlicher Drahtseilakt, da sie hier riskieren, ihre eigene Basis zu verprellen. Es dürfte aber unzweifelhaft sein, dass dieses Thema das wohl einzige ist, bei dem die GOP gerade eine Mehrheit der Bevölkerung hinter sich weiß, weswegen sie es auch voll ausreizt – auf die bekannt geschmackvolle Art, indem sie Lügen und Hetze verbreitet. Auch für die Republicans ist diese Strategie indes nicht risikolos: Ihre ständige Radikalisierung nimmt langsam bizarre Züge an. Selbst Sandra Huckabee Sanders, eine der MAGA-Kulturkämpferinnen der ersten Stunde, gilt inzwischen als „zu woke“ (was nebenbei bemerkt die völlige inhaltliche Entkernung des Woke-Begriffs deutlich zeigt, der zu einem reinen Schimpfwort verkommen ist, genauso wie das „neoliberal“ der Linken in den 2000er Jahren), eine Entwicklung, die David A. Graham zurecht „The Right’s Identity Politics Take a Bizarre Turn“ nennt.

5) Lehren aus den Wahlen in Ostdeutschland

Maria Fiedler zieht beim Spiegel vier Lehren aus den Wahlen im Osten. Schwesig, Siegmund und Schulze zeigen für sie, dass Personalisierung nur mit starken Persönlichkeiten trägt; die Social-Media-Parallelwelt der AfD die Bedeutung eines eigenen Social-Media-Ökosystems; die Notwendigkeit eines Gefühls von Aufbruch und des Schaffens einer Bewegung; und eine Botschaft des gesehen Werdens, wie sie vor allem in Eralp und Siegmund praktiziert worden sei, die persönlich Leuten die Hand geschüttelt hätten. Ich weiß nicht, wie sehr mich das überzeugt. Am stärksten finde ich das erste Argument: mit starken Persönlichkeiten macht es sich besser Wahlkampf. Hipp hipp Hurra, das galt aber schon immer. Nur hat man das kaum in der Hand. Schulze hat sich abgestrampelt um Wahlkampf und kam praktisch nicht vor. Wenn das herrschende Narrativ gegen die jeweilige Personalisierung läuft, hast du keine Chance.

Am wenigsten holt mich das Social-Media-Argument ab. Die demokratischen Parteien beruhen auf der Vermittlung durch die klassischen Medien, nicht auf der Schaffung einer eigenen Medienrealität. Das kann auch nicht ernsthaft die Zielvorstellung sein. Die Wählendenschaft der AfD hängt in einer Vertrauenskrise, sie vertraut den Medien praktisch null. Deswegen funktioniert das TikTok-Ökosystem. Die Voraussetzung für ein eigenes ist, dass auch die demokratischen Parteien ein „wir gegen die“ schaffen, das antithetisch zu ihrer ganzen Existenz ist. Deswegen haben ja auch die Democrats in den USA kein annähernd so mächtiges Medienökosystem; deren Wählende sind weiterhin von New York Times und Washington Post beeinflusst, die multiperspektivische, offene Medien sind. Dasselbe gilt hierzulande: CDU, SPD, Grüne, FDP und teilweise LINKE müssen zwangsläufig über Spiegel und Zeit, BILD und ZDF stattfinden. Ein CDU-TV als abgeschlossenes Ökosystem wäre nicht eben demokratieförderlich.

6) Reformstrategie der CDU

Frank Stauss hat eine ausführliche Kritik der CDU-Reformstrategie auf seinem Blog, der ich nur zustimmen kann. Das Problem ist nicht, dass die Partei Reformen will; die Notwendigkeit von solchen ist ja grundsätzlich anerkannt. Das Problem ist die Art der Kommunikation: Merz bestätigt alle Vorurteile ihm und der Partei gegenüber. Der Vergleich, den Stauss mit dem Heizungsgesetzdesaster zieht, kommt nicht von ungefähr: in beiden Fällen bestätigt es negative Vorurteile über die jeweilige Partei. Was wir gerade sehen können, und das habe ich schon oft gesagt, ist dieselbe Entwicklung für die CDU, die die SPD in den 2000er Jahren genommen hat. Diese Partei wird unter die 20% rutschen, und sie wird es vermutlich dauerhaft tun. Und ironischerweise über dieselbe Frage: eine Rentenreform, die in der Bevölkerung als grotesk unfair empfunden wird. Aus diesem Dilemma wird sich die Partei nicht herausreformieren können.

Resterampe

a) Bildungsministerin modernisiert gymnasiale Oberstufe – und stärkt dabei Demokratiebildung  Es geht ums Saarland. (News4Teachers)

b) Der Ineffektivitätsgrundsatz in der deutschen Schufa-Rechtsprechung. (Verfassungsblog)

c) Johannes Schneider ziemlich treffend zum Feindbildwechsel der Rechten angesichts der Berlinwahl. (ZEIT)

d) Real Wages are Falling. It’s More Common than You Might Think. (The Lens) Die Frage ist nur, ob die Leute das so wahrnehmen und die Schuld der GOP geben.

e) Die deutschen Unternehmer sind besser als ihr Ruf. (Spiegel)

f) What Aaron Sorkin Forgot About The Social Network (The Atlantic). Ich fand den Trailer super unattraktiv.

g) «Was Lehrpersonen wirklich entlasten würde, wäre…» – wenn die bürgerliche Bildungspolitik paternalistisch wird. (Schule Social Media)

h) Der leere Turm (Der Siebte Tag). Haben wir hier in Fellbach einen. Riesenturm, wahnsinnig teuer, Bauruine seit über zehn Jahren. Großsprecherische Lokalpolitiker*innen und ebenso skrupellose wie unfähige Investoren ergeben einen super Mix.

i) I Will Always Love You. Die Wahl in Sachsen-Anhalt, Dolly Parton und die Sehnsucht nach Gemeinsamkeit. (Geschichte der Gegenwart)


Fertiggestellt am 12.10.2026

{ 117 comments… add one }
  • Sören Schmitz 14. Oktober 2026, 09:34

    zu 2)

    Burnham macht in der Kommunikation aktuell sehr viel richtig und kann so Aufbruchsstimmung produzieren. Die spannende Frage wird sein, wie er seine Versprechen in einen konkreten Haushalt übersetzen möchte. Die Briten haben eine hohe Staatsverschuldung und deutlich höhere Zinsen , als im Vergleich Deutschland. Die Spielräume sind mehr als eng – Burnham muss jetzt beweisen, dass er die Ankündigungen in Politik umsetzen kann. Wenn er das schaffen sollte, dann werden Heerscharen aus ganz Europa nach London kommen, um den Burnham Weg zu lernen und zu kopieren.

    • Stefan Sasse 14. Oktober 2026, 10:14

      Ja, ich hab dazu im nächsten Vermischten auch nochmal nen Punkt.

    • Erwin Gabriel 14. Oktober 2026, 11:11

      @ Sören Schmitz 14. Oktober 2026, 09:34

      2) Großbritannien

      Burnham macht in der Kommunikation aktuell sehr viel richtig und kann so Aufbruchsstimmung produzieren. Die spannende Frage wird sein, wie er seine Versprechen in einen konkreten Haushalt übersetzen möchte.

      Zweimal Zustimmung. Er zeigt einen Weg – das ist das mindeste, von einer Regierung zu verlangen, dass sie nicht nur weiß, wo sie hinwill, sondern dass sie auch eine Vorstellung davon hat, wie sie dahin kommt.

      In Deutschland hat man zwar eine vage Vorstellung davon, wo man hinwill (zumindest haben Union und SPD halbwegs eine Vorstellung über das Ziel), aber ihre Wege dahin führen in andere Richtungen.

    • Ralf 14. Oktober 2026, 18:18

      Nicht alles, was Erfolg verspricht, muss notwendigerweise viel kosten. Andy Burnham argumentiert z.B. erstaunlich offen für eine Wiederannäherung von Großbritannien an die EU. Erst gestern hab ich ihn bei The Rest is Politics gehört und sein Nicht-Dementi selbst bei Nachfrage nach einem vollständigen Wiedereintritt in die EU ist tosend laut. Eine erneute EU-Mitgliedschaft würde das Land keinen Penny kosten, aber wirtschaftliche Vorteile und Wachstum bringen. Dafür ist die Ehrlichkeit, dass der Brexit auf der ganzen Linie gescheitert ist, politisch ziemlich risky. Starmer hat sich das z.B. nicht getraut.

      Und Merz ist so ziemlich das Ebenbild von Starmer. Keine Vision von Zukunft. Und seine Reformen sind weder gerecht noch nachhaltig. Für reine Kürzungsprogramme, ohne dass man das Gefühl hat, dass man die hohen Opfer für eine wichtige Sache bringt, kriegt man aber keine Zustimmung im Volk. Andy Burnham scheint zumindest das verstanden zu haben.

      • Stefan Pietsch 14. Oktober 2026, 21:29

        Das Leben ist kein Wunschkonzert. Auch Starmer hat eine Rückkehr in die EU ins Spiel gebracht. Nur, das Interesse der Europäischen Union, die Briten wieder aufzunehmen, ist nach dem jahrelangen Theater und den ewigen Sonderlocken für die Insulaner gering. Wir sind hier nicht in einem Country Club!

        Die öffentliche Wahrnehmung deckt sich kaum mit den Tatsachen. Die Bundesregierung packt eine zusätzliche Belastung nach der anderen für die verbliebenen solventen Bürger drauf. In den Sozialversicherungen wurden die Beitragsbemessungsgrenzen deutlich erhöht, die beitragsfreie Mitgliedschaft von Ehepartnern geschleift und die Beiträge erhöht. Allein in der GKV summieren sich die Maßnahmen auf zusätzliche Belastungen von über 100 Euro pro Monat. Drauf kommen die Ausweitung der Reichensteuer, der Nicht-Ausgleich der Inflation im Einkommensteuertarif, was hauptsächlich die oberen 20 Prozent trifft, höhere CO2-Steuern usw.

        Und was wurde gekürzt?

      • Stefan Sasse 15. Oktober 2026, 08:38

        Ja, da bin ich völlig bei dir.

  • Erwin Gabriel 14. Oktober 2026, 10:05

    1) Tankrabatt und Deutschlandticket

    Was mich an der ganzen Debatte maßlos nervt, ist das ständige Abheben auf „Gerechtigkeit“, was nichts anderes ist als ein Synonym für „ein anderer hat etwas, was ich will“. Und die Menschen in unserem Land werden gerade massiv dahin erzogen, dass sie nur laut genug jammern müssen, um auch ein paar Bröckchen abzubekommen. Ich kann mich aus meiner Jugend an autofreie Wochenenden erinnern, über die viele geschimpft haben, aber „Gerechtigkeit“ war nie ein Thema. Ich kann mich an große Wirtschaftskrisen in den 1960er-Jahren erinnern (wo mich als Kind noch verwundert hatte, dass jeder darüber sprach, aber ich nichts merkte; mein Vater schon). In den 1970er-Jahren wieder, als während meiner Bundeswehrzeit mein Ausbildungsunternehmen innerhalb von Monaten von 2.200 Mitarbeitern auf 1.100 Mitarbeiter runter ging. Ende der 1980er-Jahre, vor dem Fall der Mauer, sah es auch nicht rosig aus, da galten wir als der „kranke Mann Europas“. Auch da wurde mehr darauf geschaut, was man selbst tun kann, was der Staat vielleicht für einen tun kann. Aber darauf zu achten, was man dem anderen wegnehmen kann, war nie der Fokus.

    Dass jeder (besonders Linke und SPD, aber eingeschränkt auch die Grünen und die CDU) nur noch darüber redet, wem man was wegnehmen kann, ist jetzt nicht die Debatte, die die „bürgerliche Mitte“ nach vorne bringt. Auch dass man nur aufs Geld schaut statt auf die Menschen (ein Punkt, wo besonders die CDU schwächelt), hilft nicht.

    Davon losgelöst hat Merz viele Punkte:
    – die Deutschen (vielleicht nicht als Individuum, aber als Gesellschaft) arbeiten zu wenig, um den gewünschten Lebensstandard aufrecht erhalten zu können. Hier sehe ich besonders den gehobenen Mittelstand in der Pflicht (Paketboten, Krankenschwestern oder Putzleute arbeiten genug).
    – der Sozialstaat ist viel zu teuer. Das ist von meiner Seite erst mal eine Kosten-, keine Leistungsbetrachtung; aber jedem sollte einleuchten, dass man nicht über 500 einzelne Gesetze zur Leistungsregelung braucht. Dass man nicht hingeht und sich auf die wichtigen Pakete (Rente, Sozialhilfe etc.) konzentriert, damit man dann den weniger wichtigen Ballast abwerfen kann, finde ich traurig.
    – das gleiche für Subventionen; im Großen und Ganzen abschaffen
    – der Staat ist viel zu ineffizient (selbst für staatliche Verhältnisse). Hier jammert die Regierung mehr, als das sie handelt. Mann kaut auf jeder einzelnen Erbse herum, als hätte man das ganze Steak auf einen Streich in den Rachen geschoben.

    Aber zurück zum Thema: Dieses Gerechtigkeitsthema ist aus meiner Sicht deshalb eine Neiddebatte, weil man zu sehr auf den anderen (auf den Bessergestellten; niemand vergleicht sich nach unten) schaut, anstatt jedes Thema für sich gezielt und kompetent auf Plausibilität zu prüfen. Das nervt.

    • Stefan Sasse 14. Oktober 2026, 10:15

      Stimmt schon, aber war das je anders? Anders gefragt: ist es nicht irgendwie menschliche Natur?

      • Erwin Gabriel 14. Oktober 2026, 11:06

        @ Stefan Sasse 14. Oktober 2026, 10:15

        Stimmt schon, aber war das je anders? Anders gefragt: ist es nicht irgendwie menschliche Natur?

        Ja, es gab andere Zeiten, und ich habe sie noch erlebt. Und aus meiner Wahrnehmung nach ist sicherlich ein gesunder Egoismus menschliche Natur. Aber dass jede Kleinigkeit zur Gerechtigkeitsdebatte aufgeblasen wird, ist nicht menschliche Natur, bzw. wurde es den Menschen hier jahrzehntelang anerzogen.

        • Stefan Sasse 14. Oktober 2026, 16:17

          Ich sehe gar nicht überall und zu allen Zeiten Gerechtigkeitsdebatten. Das ist jetzt eigentlich zum ersten Mal seit ein paar Jahren, dass das wieder so stark auftaucht.

          • Erwin Gabriel 15. Oktober 2026, 13:26

            @ Stefan Sasse 14. Oktober 2026, 16:17

            Ich sehe gar nicht überall und zu allen Zeiten Gerechtigkeitsdebatten. Das ist jetzt eigentlich zum ersten Mal seit ein paar Jahren, dass das wieder so stark auftaucht.

            Meine Erinnerung ist, dass das, damals angefacht von der SPD und dann von Merkel (nicht unbedingt von der CDU) mitgetragen wurde.

      • Thorsten Haupts 14. Oktober 2026, 11:11

        In der Öffentlichkeit nicht, hier decken sich meine Erinnerungen mit Erwins. Die öffentlich am häufigsten diskutierte Frage hat sich massiv verschoben – von „Was können/müssen wir tun, um die Wirtschaft wieder auf Vordermann zu bringen“ zu „Wer ist von Krise X am wenigsten stark betroffen und sollte deshalb mehr Abgaben/Steuern zahlen“. Und diese Verschiebung ist kategorial – von der Schaffung von Chancen zur Verteilung eines schrumpfenden Kuchens, mit dessen Schrumpfen man sich abgefunden hat.

        Gruss,
        Thorsten Haupts

        • Stefan Sasse 14. Oktober 2026, 16:19

          So weit, so gut, aber das sind ja gar nicht die Pole. Im Endeffekt haben wir das „wer wird am wenigsten stark getroffen und kann noch bluten“ von links und ein Draufhauen auf die Schwachen von Rechts. Die zentrale Frage, die du stellst – wie kriegen wir die Wirtschaft hin – stellt ja gar keiner! Das haben Ariane und ich ja auch thematisiert. Diese Reformdebatte kapriziert sich nur auf den Staatshaushalt. Auch wichtig, aber nur peripher mit der Wirtschaft verknüpft.

          • Erwin Gabriel 15. Oktober 2026, 13:32

            @ Stefan Sasse 14. Oktober 2026, 16:19

            … ein Draufhauen auf die Schwachen von Rechts.

            Was soll ich darauf antworten? Dass die Union nicht auf die Schwachen, sondern auf die Faulen haut?

            Oft genug geschrieben: Unser Sozialstaat ist zu teuer – das ist ein Fakt. Über 500 Sozialleistungen, und keiner weiß, wie die zusammenwirken – das ist ein Fakt. Da MUSS man ran.

            Aber wenn jedesmal, wo jemand „soz…“ sagt, von links (was ja mit progressiv nichts zu tun hat) ein Entrüstungssturm losbricht, wird das nichts. Warum geht die Linke nicht hin und sagt: „Hier ist eine heilige Kuh, aber dort können wir verzichten“? Warum übernimmt sie die Debatte nicht auf eine Art und Weise, dass sie inhaltlich führt? Aber es ssoll kein Jota geändert, kein Beamter eingespart, kein Gesetz gestrichen werden – das ist jedenfalls trotz aller „Reformbestrebungen“ das Ergebnis, wenn es ernst wird.

            • Stefan Sasse 17. Oktober 2026, 08:43

              Mit Schwach meinte ich politisch schwach, also ohne starke Lobby.

          • Ariane 16. Oktober 2026, 01:06

            Die zentrale Frage, die du stellst – wie kriegen wir die Wirtschaft hin – stellt ja gar keiner! Das haben Ariane und ich ja auch thematisiert

            Ja eben. wäre das die zentrale Frage, dann würden wir tagtäglich darüber reden, welche Art Konjunkturpaket das richtige wäre.

            Die Reformdebatte ist aber dazu da, die Haushaltsprobleme der Regierung zu lösen. Meinetwegen noch die langfristige Sicherung/Finanzierung der Sozialkassen. Ist ja gar nicht mal generell unwichtig.
            Was es aber auf keinen Fall ist: eine Antwort auf die Frage, wie kriegen wir die Wirtschaft hin. Selbst eine Jahrhundert-Rentenreform – die wundersamerweise alle gut fänden! – hätte auf das kurzfristige Wirtschaftswachstum null Effekt.

    • VD 14. Oktober 2026, 13:12

      „Davon losgelöst hat Merz viele Punkte:
      – die Deutschen (vielleicht nicht als Individuum, aber als Gesellschaft) arbeiten zu wenig, um den gewünschten Lebensstandard aufrecht erhalten zu können. Hier sehe ich besonders den gehobenen Mittelstand in der Pflicht (Paketboten, Krankenschwestern oder Putzleute arbeiten genug).“

      Nun ja, da ist wirklich sehr viel im Argen, wie ich leidvoll merken musste, als ich mit meiner Selbständigkeit nicht mehr weiterkam und mit 60 einen neuen Arbeitsplatz suchte.
      Jetzt weiß ich wo das viel besprochene Fachkräftemangel herkommt: Wenn man nur Leute mit 20 Jahren sucht, die 30 Jahre Berufserfahrung haben und für ein Taschengeld arbeiten wollen, könnte evt. etwas nicht stimmen.

      Kurz und knapp: Ich denke nicht, dass es viele „faule“ Leute gibt, sondern eher, dass die Hürden zu hoch sind, eine Arbeit zu finden, wenn es mal etwas unrund in der Konjunktur läuft (und ich nehme es Merz und Co. sehr übel, dass sie alle Menschen in dieser Hinsicht über einen Kamm scheren).

      • Ralf 15. Oktober 2026, 07:43

        Ja, das war dasselbe Problem schon bei der Einführung von Hartz IV. In einer Zeit, in der Menschen massenhaft ihre Arbeit verloren, weil Unternehmen ihre Profite steigern wollten. Diese Menschen hatten meist null Chance nochmal einen Arbeitsplatz zu finden. Trotzdem wurden sie enormem Druck ausgesetzt und immer mit dem Theme der “faulen Arbeitslosen, die morgens nicht aufstehen wollen”.

        • Stefan Pietsch 15. Oktober 2026, 13:16

          Das stimmt ja so nicht. Zwischen 2001 und 2006 erlebte Deutschland eine Insolvenzwelle. Unternehmen wollten gerade nicht ihre Profite steigern, sondern schlicht überleben. Ich arbeitete damals z.B. bei einem großen internationalen Konzern des spezialisierten Großhandels. 2002 kippten die deutschen Konzerntöchter alle ins tiefe Minus. Ich war damals neu und hatte das Übel kommen sehen. Man übertrug mir die Verantwortung für eine Restrukturierung des Geschäfts, was ich umfangreich gestaltete. Im Ergebnis zeichnete nur mein Bereich durchgehend ein positives EBIT, was uns überhaupt in die Lage versetzte, in den Krisenjahren Weihnachtsgeld zu zahlen. Der BR zog in dieser Zeit mit.

          Deutschland hat eine Tradition sehr hoher Langzeitarbeitslosigkeit. Das ist keine konjunkturelle Sache. Alle Auswertungen zeigen, das Problem ist bei uns systemimmanent. Zuletzt haben wir das bei der Beschäftigung von Ukrainern gesehen.

          Neuere Studien widmen sich der genauen Analyse von Langzeitarbeitslosen. Die meisten, Zweidrittel, sind der Arbeit schlicht entwöhnt und für Angebote nicht ansprechbar. Sie haben sich seit vielen Jahren eingerichtet. Gerade kam wieder eine Auswertung wonach allein 1,4 Millionen Grundsicherungsbezieher seit fünf Jahren und mehr ohne Beschäftigung sind.

          Nach einem Jahr wird es immer schwerer, in den Arbeitsmarkt zurückzukehren. Deswegen arbeiten verantwortungsbewusste Sozialstaaten mit den Arbeitslosen daran, sie schnell wieder in Arbeit zu bringen. In Deutschland ist das anders, wie die Zahlen zeigen. Und das Argument trägt nicht, die meisten wären einfach nicht vermittelbar. Warum sollten wir über Jahrzehnte (!) eine weit höhere Quote nicht arbeitsfähiger Erwerbsloser haben? Ist bei uns etwas im Grundwasser?

          Der Punkt ist: Mit fünf Jahren und mehr ohne Anstellung ist jemand gering- bis nichtqualifiziert. Dann gibt es nur Hilfstätigkeiten. Damit jemand bei geringem Lohn und hohen Abzügen dennoch einen solchen Job annimmt, braucht es erheblichen Druck. Oder Sie setzen die Sozialleistungen auf Diät. Was gefällt Ihnen besser?

          • Stefan Sasse 15. Oktober 2026, 13:28

            Ich halte eine Arbeitsplatzgarantie für eine sinnvolle Lösung des Dilemmas, by the by.

            • Stefan Pietsch 15. Oktober 2026, 14:42

              Gute Idee. Aber dann müssen wir es schon rund machen. Kia & Co. is‘ nicht. Es wird nur noch bei Edeka gekauft. Und weil wir das Geld für Apple & Co. sparen, statt Netflix wieder ARD & ZDF sehen, haben wir mehr übrig um … armen, mittellosen syrischen Grundsicherungsempfängern zu helfen.

              So ist das Dilemma wirklich umfangreich gelöst.

            • Thorsten Haupts 15. Oktober 2026, 21:32

              Wir leisten uns Überschuss-Arbeitsplätze ohne Arbeit irgendwo, in denen dann a la DDR-Wirtschaft natürlich auch nicht gearbeitet wird? Welches Problem (ausser Einkommen) soll das lösen? Dass der Langzeitsarbeitslosen nicht, denn die sind genauso arbeitslos, nur pro forma beschäftigt.

              • Stefan Sasse 17. Oktober 2026, 08:48

                Das Argument ist doch immer, dass die Leute das Arbeiten nicht mehr gewöhnt seien. Umgekehrt seien sie faul und gäben der Gesellschaft nichts. All das würde dadurch gelöst. Und Lohndumping beseitigst auch noch gleich…

                • Thorsten Haupts 17. Oktober 2026, 19:32

                  Jobgarantie ungleich Arbeitsgarantie, Stefan. Unterhalt Dich dazu mal mit ehemaligen DDR-Arbeitern und Angestellten.

                  • Stefan Sasse 18. Oktober 2026, 10:05

                    Ich weiß nicht, was du mir gerade sagen willst.

                    • Thorsten Haupts 19. Oktober 2026, 18:01

                      Dein Argument war, dass eine Arbeitsplatzgarantie Leute „in Arbeit“ halten und das Problem von Langzeitarbeitslosen (Entwöhnung) vermeiden würde. Und genau das stimmt eben nicht – eine Arbeitsplatzgarantie (die DDR hatte eine) bedeutet mitnichten, dass irgendeine Arbeit da ist. Mit einer Arbeitsplatzgarantie würden Unternehmen oder der Staat lediglich Arbeizslose pro forma als Angestellte bezahlen.

                    • Stefan Sasse 21. Oktober 2026, 10:30

                      Mir ist schon klar, dass da nicht die hochproduktivste Arbeit rauskommt, aber wäre nicht jede Arbeit besser als keine? Ich verstehe nicht ganz, was das zentrale Problem für dich ist.

                    • Stefan Pietsch 21. Oktober 2026, 13:00

                      Das Problem ist zweierlei: Mit dem Geld der Steuerzahler (und ggf. konkurrierender Unternehmen) sollen Arbeitsplätze mit „guten“ Löhnen subventioniert werden, die bei niedrigerem Lohnanspruch auch privat erledigt würden. Sinnvoller wäre doch, jemanden für beispielsweise 5€ arbeiten zu lassen und ihm den Unterschied zum Mindestlohn über die Steuer zuzustecken. Obwohl die Ersparnis für den Staat hier deutlich wäre (5€ pro Stunde) redet ihr immer davon, damit würden schlecht zahlende Arbeitgeber subventioniert.

                      Mit den höheren Löhnen werden private Unternehmen aus dem Markt gedrückt oder es entsteht erst gar kein privater Markt. Denn warum sollte jemand den Job für 14€ machen, wenn er vom Staat sagen wir 16€ bekommt (vorausgesetzt, er ist überhaupt zu Mindestlohn refinanzierbar)?

                      Warum haben wir eigentlich ein Restaurant-Sterben? Die Gastronomie ist der typische Bereich für Geringverdiener aller Art. Vielleicht, weil wir es mit der Lohnsubentionierung übertrieben haben?

                    • Stefan Sasse 22. Oktober 2026, 07:58

                      Wenn es wirtschaftlich schlecht geht, gehen die Leute zuerst weniger in die Gastro. Das war schon immer so.

                    • Stefan Pietsch 22. Oktober 2026, 09:57

                      Hat natürlich nie etwas mit den Kosten zu tun und ob man die verdienen kann. Nein so ist es nicht, Stefan. Selbst bei uns im ländlichen Raum sind die Restaurants weggestorben wie die Fliegen. Die wenigen haben eine gute Auftragslage. Aber sie können ja nicht beliebig die Preise anheben.

          • Ralf 15. Oktober 2026, 21:33

            Die Langzeitarbeitslosigkeit ist in Deutschland seit den frühen 80er Jahren gestiegen, hatte sich aber gegen Ende der Dekade auf einem Niveau, von dem wir heute träumen würden, stabilisiert. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen stieg dann nach der Wiedervereinigung wieder dramatisch an. Nicht weil die Deutschen faul waren, sondern weil die Wirtschaft in der ehemaligen DDR kollabierte. Gegen Ende der Dekade und in den beginnenden 2000er Jahren nahm die Langzeitarbeitslosigkeit dann ungebremst weiter zu und immer mehr auch im Westen. Die Schlüsselbegriffe waren damals Globalisierung und Rationalisierung. Menschen wurden massenhaft vor die Tür gesetzt und in dem Klima sehr hoher Arbeitslosigkeit damals hatte kaum jemand, der älter als 50 Jahre alt war, noch eine Chance auf einen Job. In meiner Familie hatte aus der Generation meiner Eltern am Ende niemand mehr Arbeit. Einfach totaler Kahlschlag. Wer Glück hatte, konnte sich wie mein Vater mit Abschlägen in die Frührente retten. Andere hatten noch Rücklagen oder sind von Familie oder von Freunden aufgefangen worden. Wer beides nicht hatte, stürzte ins Bodenlose. Zeitgleich trompeteten die immer gleichen Politiker in den immer gleichen Talksendungen das Märchen von den faulen Arbeitslosen, denen man einfach nur mal gehörig in den Arsch treten müsse, damit die morgens endlich mal aus dem Bett kommen. Das Vertrauen, dass die Menschen damals in den Staat und in die Gerechtigkeit unseres Systems verloren haben, ist nie mehr wieder zurückgekommen. Heute erleben wir die Spätfolgen dieser Ur-Sünde.

            • Stefan Pietsch 15. Oktober 2026, 22:40

              Sie haben ein gutes Erinnerungsvermögen für Entwicklungen. Da ähneln wir uns. Aber die Details zählen.

              Seit 1984/1985 erlebte die alte Bundesrepublik einen bis 1992/1993 anhaltenden Boom, so dass auch Medien wie der SPIEGEL schrieben, ob das konjunkturelle Auf und Ab der Geschichte angehörte. Warum die deutsche Volkswirtschaft bis zur Agenda 2010 immer mehr „Sockelarbeitslosigkeit“ aufbaute, lag in diesen Jahren begründet.

              Denn in einer solch langen Phase der wirtschaftlichen Prosperität hätte die Arbeitslosigkeit bis auf das Niveau der Vollbeschäftigung abgebaut werden müssen. So geschah es in den neoliberal gewendeten Ökonomien in den USA und Großbritannien. In Deutschland dagegen änderten sich über diesen langen Zeitraum die Erwerbslosenzahlen kaum.

              Grund war die Politik der Gewerkschaften, angeführt vom legendären IG Metall-Chef Franz Steinkühler. Die Gewerkschaften handelten in diesen Jahren große Lohnzuschläge aus. Insbesondere allerdings setzten sie auf eine „Umverteilungskomponente“ wie sie es nannten. Die Tariferhöhungen wurden nicht linear in die Tarife eingearbeitet, sondern die unteren Lohngruppen stiegen kräftiger. Zudem lautete die Lohnforderung damals Produktivitätsrate + Inflationsausgleich + Umverteilungskomponente.

              Das Problem dabei: Entlassungen (und damit steigende Arbeitslosigkeit) erhöhen die Produktivität. Unternehmen entlassen die unproduktiveren Mitarbeiter, nicht die besseren. Beschäftigte mit niedrigen Produktivitäten finden sich auch in den unteren Lohngruppen, nicht in den höheren. Diese Tarifpolitik wirkte also wie eine doppelte Produktivitätspeitsche. Je höher die Löhne stiegen, desto größer wurde der Druck, sich von Beschäftigten mit niedrigeren Produktivitäten zu trennen.

              Ich streite mich nicht, ob man das sozialpolitisch sympathisch findet. Es hat ökonomisch einen hohen Preis. Genau die umgekehrte Entwicklung hatten wir dann von 2005-2010: Die Beschäftigung gerade von Menschen mit geringer Produktivität stieg deutlich („Niedriglohnsektor“), aber die Produktivitätsrate der gesamten Volkswirtschaft nahm immer mehr ab.

              Mit dem Zusammenbruch der sozialistischen Planwirtschaft und der Öffnung globaler Märkte in China und Südostasien explodierte der aufgebaute Druck: Plötzlich bestand wieder die Möglichkeit, Tätigkeiten mit geringer Produktivität nicht automatisieren, sondern durch Menschen ausführen lassen zu können. Es wurden nicht hoch-produktive Bereiche verlagert, sondern Billigarbeit.

              Der deutsche Arbeitsmarkt blieb starr. Die Gewerkschaften setzten die verhängnisvolle Lohnpolitik fort, der Staat versuchte mit zahlreichen Modellen der subventionierten Arbeit dagegenzuhalten. In einem wissenschaftlichen Aufsatz nach Ende meines Studiums zeigte Hans-Werner Sinn, wie sich der „Anspruchslohn“ von Arbeitslosen veränderte. Das Interessante: Nach einer Entlassung war dieser nicht höher als ihr bisheriger Lohn. Nach einem Jahr hatte er sich jedoch gesteigert, während der Marktwert von Langzeitarbeitslosen stetig abnimmt. D.h. Lohnerwartung und die Zahlungsbereitschaft von Unternehmen passten nicht zusammen. Mit Arbeitslosengeld und Arbeitslosenhilfe waren solche Entlassenen gut abgesichert. Das war eine weitere Ursache für das stetige Ansteigen der Langzeitarbeitslosigkeit. Hartz-IV brach das Kalkül auf. Langzeitarbeitslose erlitten durch den Wegfall der Arbeitslosenhilfe Einkommensverluste, weshalb sie zu niedrigeren Löhnen zurück in den Arbeitsmarkt gezwungen wurden, zu Löhnen, die sie noch zwei Jahre zuvor abgelehnt hätten.

              Praktisch habe ich das auch erlebt: Wie erwähnt arbeitete ich damals im Großhandelsbereich Nähe zur Bauwirtschaft, der Domäne von Verdi. Als ich 2002 anfing, waren selbst bei dem Unternehmen mit großer, breiter Belegschaft die unteren Tarifgruppen nicht mehr besetzt. Selbst in der Krise bekam das Unternehmen Bewerbungen, die unverschämt waren, offensichtlich nur darauf gerichtet, Nachweise zu schaffen, dass sich jemand beworben hatte und mit Profilen, die zu Durchschnittsgehältern unangemessen waren.

              Diese Geschichten mit „faul“ habe ich so nicht in Erinnerung. So sprechen Politiker auch nicht. Aber es ist naheliegend, wenn gutgemeinte Systeme und Verhaltensweisen das Gegenteil bewirken, die Ursache bei individuellem Fehlverhalten zu suchen – wo sich die Menschen doch nur rational verhalten. Erlauben Sie mir den Schlenker: In der Klimapolitik haben wir das selbe: Die Politik tut so, als könne der Einzelne oder nur der einzelne Staat das Klima retten, würden wir alle uns nur klimabewusst verhalten.

              Ach so, noch etwas zur Entlassung Älterer. Das ist nicht so einfach. Damals gab es von Blüm noch ein Gesetz, das Arbeitgeber verpflichtete, wenn sie einen über 50jährigen Arbeitslosen einstellten und diesen dann wieder entließen, musste das Unternehmen für Jahre das Arbeitslosengeld übernehmen. Das war purer sozialpolitischer Wahnsinn. Die Einstellung eines älteren Bewerbers wurde so für Arbeitgeber zu einem unkalkulierbaren finanziellen Risiko. Wundern Sie sich, dass das kaum jemand einging?

              Altersteilzeitmodelle waren extrem beliebt, so beliebt, dass die Gewerkschaften nach deren Abschaffung durch Schröder die Politik jahrelang beknieten, sie wieder einzuführen. Mir rannten in den Jahren ältere Mitarbeiter die Türe ein, weil sie in den Genuss der Altersteilzeit kommen wollten – was ich fast immer verweigert habe. Und dann wurden die Leute frech und versuchten mit ihrem Verhalten – Arbeitsverweigerung, Anstieg der Fehlzeiten – ihren „Anspruch“ zu erzwingen.

              Und alle, wirklich alle, lehnten das von der Politik offerierte Modell eines gleitenden Übergangs ab. Das favorisierte Verfahren war immer das Blockmodell, in dem eine zeitlang noch voll gearbeitet wird und dann der Cut in den Ruhestand erfolgt. Diese ATZ-Modelle waren extrem teuer für Unternehmen, weshalb es auch die mittelständischen Arbeitgeber waren, die auf eine Beendigung der Politik drängten.

              Das ist eine ungeschönte Sicht auf das typische Verhalten von Arbeitnehmern und Arbeitslosen.

      • Erwin Gabriel 15. Oktober 2026, 13:42

        @ VD 14. Oktober 2026, 13:12

        Nun ja, da ist wirklich sehr viel im Argen, wie ich leidvoll merken musste, als ich mit meiner Selbständigkeit nicht mehr weiterkam und mit 60 einen neuen Arbeitsplatz suchte.“

        Ging mir vor 13 Jahren genauso. Ich hatte aber Glück, dass ich für den Job, auf den ich mich mit 55 bewarb, als einziger etwas mitbrachte, das gebraucht wurde und kein anderer liefern konnte.

        Jetzt weiß ich wo das viel besprochene Fachkräftemangel herkommt: Wenn man nur Leute mit 20 Jahren sucht, die 30 Jahre Berufserfahrung haben und für ein Taschengeld arbeiten wollen, könnte evt. etwas nicht stimmen.

        Wie gesagt sind meine Erfahrungen mit meiner Altersgruppe in bequemen Jobs nicht besonders.

        Ich denke nicht, dass es viele „faule“ Leute gibt, …

        Ich würde „faul“ durch „bequem“ ersetzen und das dann auch die mittleren Schreibtisch-Jobs gelten lassen. Sind aber vielleicht nu rmeine Erfahrungen …

        Auch ist das von Merz nicht persönlich gemeint. Er sagt zu Recht, dass der Lebensstandard, an den wir uns gewöhnt haben, mit den jetzigen Anstrengungen nicht aufrecht zu erhalten ist. Das bezieht sich auf die Gesellschaft: Immer mehr Menschen in Rente, immer größere pflegeintensivere Altersgruppen, und immer weniger Menschen, die das bezahlen sollen. Wie soll das gehen?

        … (und ich nehme es Merz und Co. sehr übel, dass sie alle Menschen in dieser Hinsicht über einen Kamm scheren).

        Wie gesagt, ich sehe das anders und fühle micjh auch nicht angesprochen. Aber wer es so verstehen will, kann es so verstehen, und unser großes langes Kommunikationsgenie schafft es offenbar nicht, die Bilder und Vorstellungen, die er im Kopf hat, an den Mann und an die Frau zu bringen. Großes Manko …

        • VD 16. Oktober 2026, 07:58

          „Ich würde „faul“ durch „bequem“ ersetzen und das dann auch die mittleren Schreibtisch-Jobs gelten lassen. Sind aber vielleicht nu rmeine Erfahrungen …“

          Das kann ich unterschreiben. In meinem Berufsleben habe ich leider sehr oft Menschen erlebt, die bei einer Zäsur sich im Unglück suhlten, aber darüber hinaus kaum etwas unternommen hatten.

      • Ariane 16. Oktober 2026, 01:24

        @VD
        Jetzt weiß ich wo das viel besprochene Fachkräftemangel herkommt: Wenn man nur Leute mit 20 Jahren sucht, die 30 Jahre Berufserfahrung haben und für ein Taschengeld arbeiten wollen, könnte evt. etwas nicht stimmen.

        siehe dazu auch den von Stefan verlinkten Artikel von Stauss. Während die Politik vornehmlich darüber redet, dass bitte alle länger arbeiten sollen, versuchen die Unternehmen gerade großflächig alle Beschäftigten ab 55 loszuwerden. (die Arbeitgeber selbst sind momentan große Freunde der Frührente) – genauso wie die Jobcenter, weil (Früh-)rentner dann nicht mehr deren Problem sind.

        Aber hey, wenn man einfach meint, die Leute wären halt faul (ziemlich egal, ob man gerade 58jährige oder 28jährige meint) ist halt noch einfacher. Selbst schuld, Problem gelöst, jetzt muss sich gar niemand mehr damit beschäftigen.

        • Stefan Pietsch 16. Oktober 2026, 08:01

          Das stimmt schlichtweg nicht. Die Erwerbstätigkeit von älteren Beschäftigten ist auf Allzeithochs mit weitem Abstand zu den Beschäftigungsquoten von vor zehn Jahren.

          • 55 bis 64 Jahre: In dieser Kerngruppe kletterte die Erwerbstätigenquote in den letzten zehn Jahren von 66,2 % auf 75,3 %. Damit arbeitet inzwischen etwa drei Viertel dieser Altersgruppe. Bei den 60- bis 64-Jährigen gab es mit einem Sprung von 53 % auf 68 % den steilsten Zuwachs aller Altersklassen.

          • 65 bis 69 Jahre (jenseits der klassischen Altersgrenze): Auch hier zeigt sich eine deutliche Zunahme. Arbeiteten vor zehn Jahren nur 14,5 % dieser Gruppe, liegt der Anteil inzwischen bei 23,2 %.
          https://www.destatis.de/Europa/DE/Thema/Bevoelkerung-Arbeit-Soziales/Arbeitsmarkt/Arbeiten_Rente.html

          Wir sollten keine Vorurteile frönen.

          • Ariane 17. Oktober 2026, 13:44

            Das muss sich ja nicht widersprechen. Wir haben in den letzten Monaten auch Leute über 50 eingestellt und würden noch mehr davon nehmen, aber das waren eben Handwerker.

            Das nützt natürlich niemandem, der 30 Jahre lang bei VW oder einem Industrieunternehmen gearbeitet hat.

            • Stefan Pietsch 17. Oktober 2026, 23:05

              versuchen die Unternehmen gerade großflächig alle Beschäftigten ab 55 loszuwerden.

              Das stimmt halt nicht einmal im Ansatz. Wir erleben einen großen Jobabbau in Deutschland, das betrifft aber alle Beschäftigungsgruppen. Tatsächlich ist es so, dass die GenZ durch die Bank und international betrachtet einen denkbar schlechten Ruf hat. In den letzten Jahren habe ich keinen Unternehmensführer, keinen Topmanager getroffen, der keine schlechten Erfahrungen mit Angehörigen dieser Altersgruppe gemacht hätte.

              Zudem ist die GenZ zahlenmäßig relativ dünn. Die Arbeitsmoral wie Qualifikation der Ü50jährigen wird dagegen hoch geschätzt. Das sind wesentliche Gründe, warum die Beschäftigungsquoten älterer Menschen so hoch gegangen sind. Sie haben ein gutes Image und sie wollen. Heute käme niemand mehr auf die Idee wie damals um die Jahrtausendwende, 28jährige in den Top-Bereich zu befördern.

              Es ist auch ziemlich dämlich, BWL für Mediendesign zu studieren. Und wer meint, mit Gender Studies die große Karriere starten zu können, wird irgendwann mal einen Crashkurs fürs Leben bekommen.

              • Ariane 18. Oktober 2026, 00:07

                Ich zitiere mal dich von direkt darüber:
                Wir sollten keine Vorurteile frönen.

                • Stefan Pietsch 18. Oktober 2026, 10:32

                  Ein Vorurteil ist eine vorgefasste Meinung oder Beurteilung über eine Person, eine Gruppe oder einen Sachverhalt, die nicht auf objektiven Fakten, Wissen oder eigener Erfahrung beruht
                  Wikipedia

                  Du hast eine Behauptung aufgestellt ohne sie mit einem einzigen Fakt zu garnieren. Ich habe objektiv überprüfbare Fakten genannt. Es gibt ja inzwischen Studien zur Arbeitsmoral der GenZ, so der Deloitte Global Gen Z & Millennial Survey 2026, der zu dem Ergebnis kommt, dass nur 25 % der Gen Z schnelle Beförderungen anstreben. Lediglich 6 % sehen eine Führungsposition als primäres Ziel. Der Fokus liegt stattdessen auf Work-Life-Balance, Kompetenzerweiterung und Wohlbefinden.
                  https://www.deloitte.com/de/de/issues/work/genz-millennial-survey.html

                  Anders als in manch vorurteilsbeladener Einstellung ist jede Generation verschieden, ein Kind ihrer Zeit. Und natürlich gelten Verallgemeinerungen nur bedingt. Ich habe selektiv auch gute Erfahrungen mit jungen Mitarbeitern, das Muster der Studienergebnisse zeigt sich allerdings auch in meinen Erfahrungen als Prägung der Generation.

                  Die Generation meiner Eltern – deiner Großeltern – war durch Verlust durch Krieg und erlebte Armut geprägt. In der Generation dominiert das Verlangen nach Sicherheit, die Höhe des eigen geschaffenen Vermögens definierte den gesellschaftlichen Status. Meine Generation definierte sich früh über berufliches Vorankommen, Karrierepositionen und Einkommen. Deine und Stefans Generation ist wieder anders.

                  Anders meint nicht schlechter oder besser als Pauschalurteil. Schlechter und besser kann sich nur auf bestimmte Situationen und Lebensphasen beziehen. So wie auf die Zusammensetzung von Belegschaften in Unternehmen. Besser Ü50jährige als U30jährige. 🙂

                  • Ariane 18. Oktober 2026, 16:59

                    Junge ich weiß gar nicht, was du von mir willst. Die Diskussion drehte sich (komplett vorurteilsfrei) über ältere ArbeitnehmerInnen und dass 55jährige Klempner es leichter haben als 55jährige Beschäftigte von Mercedes.

                    Deine Antwort war „GenZ kann nix“
                    Ja vielen Dank, aber dann diskutier doch bitte mit wem anders hier. Hab echt keine Lust, die Diskussion weiterzutreiben und überhaupt erstmal herauszufinden, was die GenZ mit Problemen von Ü50jährigen zu tun hat und schon gar nicht warum das ein Fakt Marke TrustmeBro sein soll. Kannst dich ja melden, wenn du zur eigentlichen Diskussion zurückkehren willst.

                    • Stefan Pietsch 18. Oktober 2026, 18:00

                      Bitte, Alter. Nicht Junge. 🙂

                      Der Strang fing mit der Behauptung böser Arbeitgeber an, die junge Mitarbeiter wollten und alte rausschmeißen würden. Einwand: alte Arbeitnehmer sind gesucht wie nie, während man die Kids von der GenZ nicht so schätzen würde. Dann kam die Geschichte mit den Vorurteilen und Studien, die das widerlegen.

                      Soweit wieder in der Spur?

        • Stefan Pietsch 16. Oktober 2026, 08:17

          Noch so ein Fall: Warum wollen die Leute alle eine Abfindung, statt ihren topbezahlten Job bei einem DAX-Konzern zu behalten? Passt alles nicht zu den hier kursierenden Behauptungen.
          https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bmw-abfindungen-andrang-gross-folgen-li.3564216

        • Stefan Sasse 17. Oktober 2026, 08:51

          Genau das meine ich! Wir führen Debatten völlig am Thema und der Lebensrealität vorbei, vor allem aus Ideologie heraus.

    • CitizenK 14. Oktober 2026, 17:27

      „niemand vergleicht sich nach unten“
      Doch: ich.

  • Erwin Gabriel 14. Oktober 2026, 11:02

    6) Reformstrategie der CDU

    Diese Partei wird unter die 20% rutschen, und sie wird es vermutlich dauerhaft tun.

    Sehe ich genauso …

    … eine Rentenreform, die in der Bevölkerung als grotesk unfair empfunden wird.

    JEDE Reform wird von der Bevölkerung als grotest unfair empfunden, die ihr etwas abverlangt.

    Zu viele Kanzler und Kanzlerinnen haben über Beschwichtigungs- und Besänftigungspolitk, über falsche Versprechungen dem Wahlvolk klargemacht, dass sie sich selbst um nichts mehr kümmern müssen – ein großer Nachteil unseres paternalöistischen Versorgungsstaats.

    • Stefan Sasse 14. Oktober 2026, 16:17

      Jo, das Gleiche könnte ich über mangelnden Klimaschutz sagen. Viel zu lange schon üben wir Beschwichtigungs- und Besänftigungspolitik für die Verbrenner- und Gasheizungsfans! Man muss den Leuten echt mal klarmachen…..

      • Stefan Pietsch 14. Oktober 2026, 16:23

        Mal gefragt: Findest du Klimaschutz derzeit wirklich interessant? Und warum? Man hat die Atomanlagen abgeschaltet, hat CCS verboten, will seine Emissionen nicht in Schwellenländern kompensieren. Also, Ernsthaftigkeit erkenne ich da gerade bei Grünen nicht.

      • Erwin Gabriel 15. Oktober 2026, 13:46

        @ Stefan Sasse 14. Oktober 2026, 16:17

        Jo, das Gleiche könnte ich über mangelnden Klimaschutz sagen. Viel zu lange schon üben wir Beschwichtigungs- und Besänftigungspolitik für die Verbrenner- und Gasheizungsfans! Man muss den Leuten echt mal klarmachen …

        Was für einen Unterschied fürs Klima macht es, wenn wir unsere CO2-Ausstöße verdoppeln? Welche, wenn wir sie halbieren?

        Gar keinen? Ach so …

        Was für einen Unterschied macht es, wenn wir die Reformen hinbekommen oder nicht?

        • Stefan Sasse 17. Oktober 2026, 08:43

          Wie man dieser Vorstellung anhängen kann, ist mir völlig unbegreiflich.

  • Thorsten Haupts 14. Oktober 2026, 11:18

    Zu 4) “They believe that it energizes the base and divides ours,” Lanae Erickson, a senior vice president at the center-left think tank Third Way, told me. “And they’re right about that.”

    Yup. Und die beabsichtigte Spaltung der Basis der Democrats haben diese sich ausschliesslich selbst zuzuschreiben. Denn das ist das vorhersagbare Ergebnis, wenn man sich aus der selbstgewählten Geiselhaft von radikalen Trans-Aktivisten lösen muss, die man zumindest verbal vorher ein Jahrzehnt lang öffentlich vorbehaltlos unterstützt hat.

    Falls das die Democrats den Senat kostet, ist das halt der Preis für die Unterstützung offensichtlicher Quartalsirrer.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

  • Thorsten Haupts 14. Oktober 2026, 11:28

    Zu b)

    Nach längerem Nachdenken mehr grundsätzlich: Wollen Kritiker einen halbwegs effektiven Schutz vor schlechten Schuldnern oder wollen sie ihn nicht? Wenn sie ihn wollen, ist das Löschen alter Schuldnerdaten und die volle Transparenz über das Zustandekommen von Scores jedenfalls nicht geeignet, diesen Schutz zu erreichen. Und wenn sie ihn abschaffen wollen, ist das auch okay – dann tragen eben wir alle über steigende Preise das Ausfallrisiko der Unternehmen mit.

    Ein völlig transparenter Score ohne Altdaten wäre das exakte Beispiel für „Wasch mich, aber mach mich nicht nass“.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

    • Thorsten Haupts 14. Oktober 2026, 13:30

      Nachtrag: Ich weiss, dass Juristen nicht so denken (können), weshalb die seit Jahrzehnten beständig zunehmende Verrechtlichung in Unternehmen und Staat aus meiner Sicht ein Bug und kein Feature ist.

    • cimourdain 15. Oktober 2026, 08:24

      Machen wir mal ein Gedankenexperiment um Ihre beiden Thesen völlig unabhängig von „juristischem“ Denken zu prüfen:

      Nehmen wir an, Stefan Sasse hinterlegt zu jedem Kommentator hier einen Wert „Kommentarqualität“ , so dass hinter Ariane meinetwegen eine 8.5 (grün) steht und hinter StefanPietsch eine 3.1 (dunkelorange).

      a) Dann wären Sie der erste, der wissen will, woher der Wert kommt. Ein „Score“ ohne Klarheit über das Zustandekommen, ist rein willkürlich und deshalb nichts, was irgendeine rationale Entscheidungsbasis liefert.

      b) eine Erklärung „hat mal 2012 was gegen Lehrer geschrieben – seitdem zwar nicht mehr, aber das damals zählt“ würde ich (mit meinem Menschenbild) nicht als stichhaltig sehen. Menschen ändern sich, ihre Meinungen (und ihre Bonität) ändern sich.

      Und der Staat geht selbst genau so vor – beim polizeilichen Führungszeugnis, bei dem es um wichtigeren Schutz als nur vor säumigen Schuldnern geht. Selbst dort ist gesetzlich transparent geregelt, welche Delikte eingetragen werden und welche nicht. Und auch dort werden Einträge nach einer gewissen Zeit gelöscht.

      • Thorsten Haupts 15. Oktober 2026, 12:45

        Zu a) Dann wären Sie der erste, der wissen will, woher der Wert kommt.

        Grob, nicht im Detail. Und das wissen wir über den SchuFa-Score bereits.

        zu b) … eine Erklärung „hat mal 2012 was gegen Lehrer geschrieben – seitdem zwar nicht mehr, aber das damals zählt“ würde ich (mit meinem Menschenbild) nicht als stichhaltig sehen.

        Zwischen einer Verbalie und einer aktiven Handlung gibt es enorme Unterschiede – wer 2012 kleine Kinder misshandelte, würde ich auch heute noch gerne wissen wollen, wenn die entsprechende Person in meinem Umfeld auftaucht.

        Gruss,
        Thorsten Haupts

  • Stefan Pietsch 14. Oktober 2026, 15:23

    1) Tankrabatt und Deutschlandticket

    Wenn es eine Maßnahme gibt, die eine breitere Streuwirkung hat als der Tankrabatt und wo die Zielgenauigkeit gegen Null geht, dann ist es das Deutschland-Ticket. Weder Berufspendler noch Kleingewerbetreibende haben hiervon Nutzen. Aber dieser harte Kern der Erwerbstätigen sind ohnehin nicht die Zielgruppe von Links-Grünen.

    Zudem kompensiert der Tankrabatt im Grunde nur die Erhöhung der CO2-Bepreisung vom Jahresanfang, den sich der Finanzminister unter den Nagel gerissen hat und nun ein Stückchen wieder rausrücken muss. Ärgerlich für alle Staatsfetischisten, aber kein Drama.

    Welche Steuererhöhung haben eigentlich Bahnfahrer im Januar erfahren?

    • Andreas 15. Oktober 2026, 06:38

      Warum haben Berufspendler und Kleingewerbetreibende keinen Nutzen davon?
      Ich bin selbständig und alleinunternehmend und hab mein Auto abgeschafft. Ich spare ziemlich viel damit.
      Einziger wirklicher Nachteil für mich ist, dass ich meinen 3 Kindern ab und zu auch DTickets kaufen muss, was dann natürlich ins Geld geht, aber auch das holt die Autoeinsparung locker raus.

      • Stefan Pietsch 15. Oktober 2026, 09:19

        Sie nennen bereits mehrere Punkte, warum Sie nicht typisch für diese Gruppen sind. Sie haben kein Auto, sie arbeiten offensichtlich in einem Ballungsraum, Sie transportieren zu Ihren Kunden wenig bis auf sich selbst und Sie arbeiten nicht bundesweit. Möglicherweise könnten Sie ein Fahrrad benutzen, dann würde Ihnen das Deutschland-Ticket aber auch nichts bringen.

        Viele Berufspendler sind auf das Auto angewiesen. Weder liegt ihre Wohnung an einer Haltestelle noch ist ihr Arbeitgeber im Zentrum einer Stadt. Und wenn sie mit Nahverkehr unterwegs sind, haben sie meist eine hoch rabattierte Monats- oder Jahreskarte, die oft vom Arbeitgeber subventioniert ist. Wenn sie im ländlichen Raum aussteigen, steigen sie in ihr Auto oder lassen sich abholen, weil nach einem langen Arbeitstag auch 20 Minuten Fußmarsch zu lang sind.

        Meine Mutter war Schneiderin auf dem Land. Wir Kinder transportieren die geänderten Sachen zu den Kunden, ansonsten sprang das Auto ein. Wer als Freelancer arbeitet, tut dies oft bundesweit oder sogar international. Da nützt der Nahverkehr gar nichts.

        Weit über die Hälfte aller Neufahrzeuge sind gewerblich. Das betrifft nicht vor allem große Konzerne. Und die meisten fahren mit Benzin.

        Anfang des Jahres hat die Bundesregierung die CO2-Steuer angehoben und damit weitere 17 Cent pro Liter aus den Rippen der Autofahrer gepresst. Für die Steuererhöhung erfolgte keine Entlastung an anderer Stelle. Das braucht der Finanzminister zusätzlich. Wenn nun zeitweise ein „Rabatt“ auf die höchste Steuerbelastung gewährt wird, so gibt der Staat nur einen Teil seiner erpressten Mehreinnahmen zurück.

        Anders verhält es sich mit dem Deutschlandticket. Eine höhere Subventionierung macht Einsparungen oder Steuererhöhungen an anderer Stelle nötig, nur um das Budget auf dem gleichen Level zu halten. Je mehr es nutzen, desto mehr Schienenfahrzeuge, Busse und Personal ist erforderlich. Die Kosten steigen also und bleiben eben nicht bei 3 Milliarden Euro. Auch das ist ein Unterschied zum Tankrabatt. Warum sollten die Menschen mehr fahren, wenn der Preis gleich oder höher ist als im Vorjahr?

        • Andreas 15. Oktober 2026, 11:00

          Das stimmt im großen und ganzen schon, was Sie schreiben, wobei ich durchaus überregional tätig bin, gelegentlich einiges mit Rollkoffer transportiere und auch viel das Rad nutze.
          Und mich hat die Möglichkeit, unfassbar günstig und bequem jeden Ort der Republik erreichen zu können dazu bewogen, mein Auto abzuschaffen. Das halte ich für einen gesellschaftlichen Gewinn, da hat also was funktioniert.
          Ich denke das DTicket eröffnet eine Menge neue Perspektiven für Alle, auch für Pendler oder andere, denn niemand ist ja zum Pendeln oder anderem verpflichtet. Ob man die für sich nutzen will, muss natürlich jeder selbst wissen.
          Wenn man es etwas breitgestreuter betrachtet, halte ich das Dticket für eine allgemein sinnvolle und nützliche Investition, Treibstoffe zu subventionieren jedoch nicht.

          • Stefan Pietsch 15. Oktober 2026, 13:00

            Der Staat ist nicht der Erziehungsberechtigte der Bürger. Welches Verkehrsmittel sie wählen, ist ihnen überlassen. Für die Erhebung von Steuern gilt generell, dass sie maßvoll zu sein haben. Daran können aus zwei Gründen Zweifel bestehen: Deutschland liegt bei der Besteuerung von Mineralölprodukten an der internationalen Spitze. Verschärfend wirkt hier noch die drastische Erhöhung zu Jahresbeginn. Die Politik hat mit dem Tankrabatt im Frühjahr im Grunde selbst eingestanden, dass die Steuerlast unbotmäßig hoch ist.

          • Andreas 15. Oktober 2026, 13:24

            Volle Zustimmung soweit, nur die „unbotmäßige Höhe der Steuerlast“ scheint mir Ansichtssache (und fraglich) zu sein.
            Natürlich ist der Staat nicht erziehungsberechtigt, und natürlich soll jeder sich bewegen (oder es lassen) wie er möchte. Alles andere wäre auch kontraproduktiv.
            Und gleichzeitig hat der Staat die Verantwortung für das Gemeinwesen und die Umwelt, jetzt und für die Zukunft.
            In diesem Sinne halte ich die Weichenstellung bei dem Dticket für sinnvoll und den Rabatt für Fossilprodukte aus vermutlich überwiegend eher autokratischen Staaten für kontraproduktiv.
            Wie gesagt eröffnet das DTicket auch einen Möglichkeitsraum für alle, auch für die Pendler etc.

            • Stefan Pietsch 15. Oktober 2026, 14:52

              Klar, wenn es eindeutig wäre, wäre es verboten. Aber ernsthaft, ist gibt doch keine seriöse Begründung, warum Deutschland bei einem extrem hohen Preisniveau am Rohölmarkt an seinen extrem hohen Steuern festhält.

              Was genau leisten 20 Cent höhere Mineralölsteuern für Umwelt und Gemeinwesen? Warum sollen alle Bürger jene subventionieren, die bestimmte öffentliche Verkehrsmittel für ihr Mobilitätsverlangen nutzen?

              Der Preis für raffinieriertes Benzin liegt derzeit bei 85-90 Cent pro Liter. Ob Saudi-Arabien das nach Deutschland verkauft oder etwas mehr nach China, ist den Scheichs relativ egal. Die haben derzeit ohnehin das Problem, gar nicht so viel liefern zu können wie es bereitwillige Käufer gibt. Als vor ein paar Wochen die Saudis die Meldung rumschickten, dass sie im Oktober Europa nicht wie vereinbart beliefern könnten, knallte die Marke Brent aber so etwas nach oben und ist bis heute von der Decke nicht mehr wirklich runtergekommen. Also, die „autokratischen Staaten“ verkaufen so oder so ihr Öl, ob wir noch einmal die Steuer verdoppeln oder halbieren – das ist völlig egal.

              • Andreas 15. Oktober 2026, 16:51

                Hm, naja. Wenn wir weniger Autokratensprit verbrauchen, verringert das die Nachfrage, auch wenn sie ihn noch woanders hin liefern können. Es erscheint mir vernünftig, das nicht noch zu unterstützen.
                Ich finde auch keine seriöse Begründung, warum Deutschland etwas an seiner Besteuerung verändern sollte, wenn sich die Weltmarktpreise erhöhen. Es ist ja nicht Sache des Staates, seine Bürger zu subventionieren, sondern er hat meines Erachtens für Freiheit, Sicherheit, Bildung und eine dauerhaft gesunde Lebenswelt (in dieser Reihenfolge) zu sorgen (neben der Unterstützung von unterstützungsbedürftigen Bürgern).
                Für das letztere halte ich das Dticket für angebracht, und den Tankrabatt nicht.

                • Stefan Pietsch 15. Oktober 2026, 17:47

                  Weniger Nachfrage senkt die Preise. Niedrigere Preise schafft die Möglichkeit für andere, in den Markt einzusteigen. Das nennt sich Marktdynamik. Und das hat Hans-Werner Sinn schon vor vielen Jahren für die Allgemeinheit aufgeschrieben.

                  Wenn Sie keine seriöse Begründung sehen, dann die umgekehrte Frage: Wieso führte Deutschland nicht nur eine nationale CO2-Steuer ein, sondern erhöht sie jedes Jahr? Und wie kann der Verzicht auf eine Steuererhöhung eine Subvention einer bestimmten Gruppe von Steuerzahlern sein?

                  Die Bürger zahlen alles zusammen über 60 Prozent ihres Einkommens an den Staat. Also man kann auch so formulieren, der Staat ist so nett, seinen Untertanen noch etwas von ihrem Broterwerb zu lassen. Dennoch, für das, was Sie als Staatsaufgaben aufgeschrieben haben, ist es sehr schlecht bestellt.

                  Zurück: Warum ist das Deutschland-Ticket irgendwie besser als ein Tankrabatt für die Bürger? Ist es wirklich erstrebenswert, abends in unsichere S-Bahnen einzusteigen, die verdreckt sind und häufiger ausfallen als pünktlich das Ziel zu erreichen?

                  60, 65 Prozent sollten doch ausreichen, ein sicheres, sauberes Land mit hervorragender Infrastruktur und toller Bildung zu schaffen, oder?

        • Stefan Sasse 15. Oktober 2026, 13:21

          Das ist ja alles wahr, aber nichts davon begründet einen Anspruch auf Subventionen. Warum wird ausgerechnet das Benzin billiger gemacht und nicht beispielsweise Brot, das auch viele Leute täglich brauchen?

          • Erwin Gabriel 15. Oktober 2026, 13:55

            @ Stefan Sasse 15. Oktober 2026, 13:21

            Warum wird ausgerechnet das Benzin billiger gemacht und nicht beispielsweise Brot, das auch viele Leute täglich brauchen?

            Das ist – entschuldige bitte – eine sehr linke Betrachtungsweise. Wenn Du für Brot (das ja, wie Du schreibst) jeder braucht, einen Steueranteil von über 50 % hast, und Du würdest, damit die Leute weniger essen und nicht so dick werden, auf über 60 % Steuern und Abgaben gehen, hättest Du einen sinnvollen Vergleich.

            Die aktuelle Situation ist nicht deswegen „Normalnull“, weil wir sie gerade haben.

            • Stefan Sasse 17. Oktober 2026, 08:44

              Das war ja nur ein plakatives Beispiel. Ich will ja keine Subvention für Brot. Mir wäre nur neu, dass „viele Leute brauchen es“ neuerdings eine Rechtfertigung für Subventionen darstellt.

          • Stefan Pietsch 15. Oktober 2026, 14:55

            Du missbrachst den relativ klar definierten Begriff Subvention für politische Agitation. Wenn wir für dich eine Sonderabgabe von 20 Prozent einführen und sie nach drei Monaten wegen großer Proteste wieder abschaffen, würdest Du kaum davon sprechen, ab sofort subventioniert zu werden.

            Nochmal: Der Staat verzichtet mit dem Tankrabatt zeitweise auf die Steuererhöhung, die er Anfang des Jahres durchgeführt hat. Mehr passiert nicht. Er kassiert dennoch dieses Jahr mehr Steuern.

            • Stefan Sasse 17. Oktober 2026, 08:45

              Welche Steuererhöhung?

              • Stefan Pietsch 17. Oktober 2026, 09:08

                Seit 2017 wird eine nationale (!!!) CO2-Abgabe auf Mineralölprodukte fällig, die die Grünen via Bundesrat nolens volens Merkel aufgedrückt haben. Diese Steuer steigt jährlich und landet inzwischen nicht mehr in einem Fonds, um die Einnahmen direkt wieder an die Bürger auszuschütten – das angeblich von den Grünen und anderen Fans von Lenkungssteuern gewünschte „Klimageld“ – sondern auf Wunsch von Klingbeil direkt im allgemeinen Haushalt. Da ist es sicher. Vor dem Zugriff gieriger Bürger, die nach Steuererleichterungen schreien. Wäre ja noch schöner!
                https://www.polarstern-energie.de/magazin/artikel/co2-bepreisung-nach-heizsystem/

  • Stefan Pietsch 14. Oktober 2026, 15:26

    6) Reformstrategie der CDU

    Wenn auf die Union 17 Prozent entfallen und auf die Sozialdemokraten 12 Prozent und die Grünen vielleicht 14 Prozent – wer sahnt eigentlich die restlichen 57 Prozent ab?

    • Stefan Sasse 14. Oktober 2026, 16:21

      Die radikalen Ränder, davon hauptsächlich die AfD. Oder war die Frage rhetorisch?

      • Stefan Pietsch 14. Oktober 2026, 16:31

        Nein, die war nicht rhetorisch. Es ist die Frage, ob du dir der Konsequenzen bewusst bist.

        Das Scheitern der Mitte an sich selbst bereitet erst das Feld für die radikalen Ränder. Wie das aussieht, kann man in Frankreich und Italien betrachten. Die Konsequenz wäre, dass die Mitte-Parteien Bündnisse mit den Radikalen eingehen. Sonst endet man in der Unregierbarkeit.

  • cimourdain 15. Oktober 2026, 09:38

    3) Die heftige Reaktion Rabes lässt sich mit einigen Trends, die ich schon länger postuliere, gut erklären:

    i) Verengung des Overton-Fensters: Du ziehst den konkreten Vergleich mit Volker Pispers [den du 2008 noch wärmstens empfohlen hattest]. Damals (grob zwischen 1990 und 2014) waren „Provokant“ und „bitterböse“ noch Qualitätsmerkmale, seither ist es gerade das gleiche Juste Milieu, das Harald Schmidt für seinen übergriffigen Witze gefeiert hatte, seitdem jede Abweichung vom politisch-medialen Mainstream sanktioniert.

    ii) Ostdeutsche als ethnische Minderheit: Rabe ist eine voll integrierte „Ex-Ostdeutsche“ und erwartet deshalb von anderen die gleiche Anpassung. Sie will, wenn man die turkdeutsche Minderheit als Vergleichsrahmen sieht Bülent Ceylan statt Serdar Somuncu – oder für die Freunde der US-Comedy Bill Cosby statt Richard Pryor.

    iii) diese Gesellschaft verträgt keine Ambiguität. An Steimle ist alles ungreifbar und „verwaschen“. Weder hat er klar abgrenzbare Kunstfigur-„Rollen“ (wie z.B. Cohens „Borat“) noch macht er klar, wann er mit uneigentlicher Rede das Publikum selbst provoziert. Konkret erinnert etwa der Jungpionierschwur an Jonny Buchardts „Sieg“ – „Heil“ Karnevalsauftritt – nur dass eben keine „alte Kameraden“ Auflösung erfolgt, sondern alles offen verbleibt. Und damit hat er keine „Kontur“, ob er zu den „Guten“ oder den „Bösen“ einzuordnen ist.

    • Thorsten Haupts 15. Oktober 2026, 12:42

      Zustimmung zu i und ii

      Ich bin immer wieder amüsiert, was heutzutage die politische „Mitte“ (vorgeblich?) auf die Palme bringt. Ich bin aus meinen politisch aktiven Jahren nichts anderes gewohnt und damals erzählte mir summa summarum das gleiche Milieu, das gehöre zu einer lebendigen Demokratie halt dazu und ich müsse es aushalten. Einziger Unterschied – damals kamen die „bitterbösen“ Angriffe aus deren Umfeld, heute richten sich dieselben Angriffe zunehmend gegen sie selbst. Und DAS geht natürlich gar nicht …

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Stefan Sasse 15. Oktober 2026, 13:22

      3) i) Ja, hatte ich auch. Ich habe nur meine politische Meinung geändert (egal, wie sehr Stefan das bestreitet ;)), deswegen liegt er mir nicht mehr.
      iii) Good points

  • Andreas 15. Oktober 2026, 13:22

    Volle Zustimmung soweit, nur die „unbotmäßige Höhe der Steuerlast“ scheint mir Ansichtssache (und fraglich) zu sein.
    Natürlich ist der Staat nicht erziehungsberechtigt, und natürlich soll jeder sich bewegen (oder es lassen) wie er möchte. Alles andere wäre auch kontraproduktiv.
    Und gleichzeitig hat der Staat die Verantwortung für das Gemeinwesen und die Umwelt, jetzt und für die Zukunft.
    In diesem Sinne halte ich die Weichenstellung bei dem Dticket für sinnvoll und den Rabatt für Fossilprodukte aus vermutlich überwiegend eher autokratischen Staaten für kontraproduktiv.
    Wie gesagt eröffnet das DTicket auch einen Möglichkeitsraum für alle, auch für die Pendler etc.

    • Andreas 15. Oktober 2026, 13:25

      Sorry, vertan, gehört nicht hierher.

  • Andreas 15. Oktober 2026, 18:28

    Zu Hans-Werner Sinn: ja, eben.

    Die CO2-Steuer wird schrittweise erhöht, um eine Verminderung der Umweltzerstörung zu erreichen.

    Eine Verminderung von Steuersätzen für fossile Brennstoffe senkt das potentielle Steueraufkommen für alle, nützt aber nur den Brennstoffnutzern, die damit gegenüber dem Weltmarkt geringere Kosten haben. Das ist nicht Aufgabe des Staates (wenn er es aus anderen -für alle nützlichen- Gründen tut, mag es ok sein)

    Zu „Dennoch, für das, was Sie als Staatsaufgaben aufgeschrieben haben, ist es sehr schlecht bestellt.“:

    Freiheit, Sicherheit und Bildung haben wir doch in hohem Maße, solange wir noch demokratisch regiert werden. Bei Umwelt sieht es in der Tat sehr schlecht aus, deswegen sehe ich dort eigentlich die Priorität. Nur bedingt das u.a. eine weiterhin freiheitliche und demokratische Regierung, da die Extremen sich nicht für Umwelt (und Freiheit) interessieren, so dass sich dort aktuell die Schwerpunkte verschieben.

    Zu: „Ist es wirklich erstrebenswert, abends in unsichere S-Bahnen einzusteigen, die verdreckt sind und häufiger ausfallen als pünktlich das Ziel zu erreichen?“

    Ich tue das weit lieber, als mit Abgasen die Umwelt meiner Kinder und Enkel zu zerstören, wie ich es lange getan habe.
    Und ich stimme Ihnen zu, dass der öffentiche Nahverkehr noch starkverbessert, gesichert und ausgebaut werden kann.

    Zu den 60-65% weiss ich nicht, was ausreichend ist.
    Ich denke jedenfalls es sollte noch stärker in Sicherheit und Umwelt investiert werden, auch wenn das Steuererhöhungen verlangt.
    Freiheit und Umwelt sind essentiell, Wohlstand nicht.
    Ich stimme Ihnen aber zu, dass es viele Gründe gibt, um mit dem Umgang von Steuergeldern und mit der Politik der nichtextremen Parteien unzufrieden zu sein. Das würde ich auch gern verbessern.

    • Stefan Pietsch 15. Oktober 2026, 19:29

      Erstmal Danke und Kompliment für die Diskussionsführung. Einen derartigen Schlagabtausch liebe ich, dafür schreibe ich hier.

      Die CO2-Steuer wird schrittweise erhöht, um eine Verminderung der Umweltzerstörung zu erreichen.

      Das ist nicht richtig. Diese Aufgabe fiele einem Cap & Trade-System zu, was es auf europäischer Ebene gibt und was sukzessive auch auf den Mobilitätssektor ausgerollt werden soll. Eine Umweltsteuer oder Pigou-Steuer hat die Aufgabe, die externen (Umwelt-) Kosten zu internalisieren, das heißt den Konsumenten die „wahren“ Kosten bewusst zu machen, um dann rationale Entscheidungen zu treffen. Das ist nicht das Gleiche. Wer bei der Umweltsteuer die Abgabe zahlt, darf nach Herzenslust die Umwelt schädigen.

      Wie die anderen Steuern, die mit einem blumigen Etikett versehen werden, dient auch die nationale CO2-Abgabe einzig dazu, den Staatssäckel zu füllen. Sie ist so gestaffelt, dass die Verbraucher sie zwar spüren, wegen der geringen Preiselastizität aber ihr Verhalten nicht ändern. Denn erst das sorgt für die Ergiebigkeit. Blitzschnell hat die nationale Abgabe auf einen relativ kleinen Emissionssektor – Mobilität – die Einnahmen aus dem EU-ETS weit überschritten, obwohl dieser für weit mehr der nationalen Emissionen verantwortlich ist. Erst der extreme Anstieg der Ölpreise um 40 Prozent und mehr hat das Verhalten auf den Straßen geändert. Nur hat die Politik dafür keine Zuständigkeit.

      Deutschland hat mit die höchsten Preise, nicht die niedrigsten. Wenn hier die Steuern um 18 Cent gesenkt werden, merkt das global keine Sau. Überhaupt: Was genau soll eine nationale CO2-Steuer für das Klima der Welt bewirken? Mal die Relationen (aus dem Kopf): Der nationale mobile Sektor ist für so 170 Millionen Tonnen CO2 verantwortlich. Die jährlichen Emissionen belaufen sich auf 37.000 Millionen Tonnen. Wenn es uns gelingt, die Emissionen der Autos um 20 Prozent zu senken, das wären 34 Millionen Tonnen, dann wären das 0,09 Prozent. Zum Vergleich: Steigert ein Gutverdiener sein Gehalt von 7.000 Euro p.m. um o,09 Prozent, dann sind das 6 Euro mehr, vor Steuern. Da lacht sich jeder einen Ast.

      Freiheit, Sicherheit und Bildung haben wir doch in hohem Maße, solange wir noch demokratisch regiert werden.

      Da sagen die historischen wie internationalen Vergleichskennzahlen etwas völlig anderes. Freiheitsrechte kosten den Staat wenig bis nichts. Hohe Steuern lassen sich damit nicht begründen. Schwere Gewalttaten haben binnen nur einer Dekade gravierend zugenommen, das Unsicherheitsgefühl ist gewachsen, öffentliche Plätze müssen massiv geschützt werden – und das bei einer alternden Bevölkerung. Wenn ein Drittel der Grundschüler nicht über Mindestkompetenzen in Lesen, Schreiben und Rechnen verfügt und Mittelstufenschüler in Vergleichstests regelrecht abstürzen, ist es um die Bildungsqualität sehr schlecht bestellt. Die deutschen Werte schaffen Schwellenländer mit weit geringeren Steuern. Und so lange wir eine Demokratie haben, werden wir demokratisch regiert. Das ist eine Tautologie.

      Soweit man das beurteilen kann, hat Deutschland die teuerste Energiewende der OECD umgesetzt. Die Ergebnisse sind desaströs, bei den Einsparungen von CO2 kommt das Land nur durch Verringerung seiner Wirtschaftsleistung voran. Wir haben die höchsten Strompreise und immer noch zu hohe Emissionen.

      Welche Verkehrsmittel Sie nutzen, ist natürlich Ihnen überlassen. Aber selbst in Berlin haben die Grünen erkannt, dass da ein Problem existiert. Noch im letzten Senat, dem sie angehörten, wollten sie Nachtbegleitungen der S-Bahnen und streng nach Geschlechtern getrennte Abteile. Als älterer Mann kann ich mich noch an Zeiten erinnern, da wären solche Maßnahmen absurd erschienen.

      Wenn Sie möchten, dass ein anderer ein paar Dinge für Sie regelt, werden Sie sicher die Grenze dort ziehen, wo dieser „Dienstleister“ annähernd die Hälfte Ihres Einkommens beansprucht, vom Großteil ganz zu schweigen. Das setze ich mal als gegeben. 🙂

  • Andreas 15. Oktober 2026, 18:41

    Ups, i did it again.

  • Andreas 15. Oktober 2026, 20:45

    Ok, mit der co2steuer kenne ich mich nicht im Detail aus, mag also so sein.

    Das Deutschland nur für sich selbst in einem globalen System agiert und die Umweltproblematik nicht allein lösen kann ist eine Binse. Welcher Staat ist da effektiver?

    Unter Freiheitsrechte verstehe ich auch die Sicherung unseres Systems gegenüber imperialistischen und autokratischen Staaten. Das ist schon recht kostenintensiv, aber jeden Aufwand wert.

    Das schwere Gewalttaten massiv zugenommen haben, wäre mir neu. Auf die schnelle gegoogelt hat sich mir das nicht bestätigt.

    Auch bei der inneren Sicherheit glaube ich nicht ohne weiteres, dass sie stark abgenommen hat. Ich vermute aber dass die Statistiken das nicht hergeben.

    Bei der Bildung scheitert es m.E. nicht am Geld, sondern an anderen Dingen, die man mit Geld nicht so leicht aus der Welt schafft.

    Wenn ich mir die schulische Ausbildung meiner Kinder anschaue, bin ich mehr als zufrieden, habe da aber vielleicht auch permanent Glück gehabt.

    Dem Dienstleister würde ich auch 90% geben wenn er die für die Grundlagen braucht, sinnvoll einsetzt, und ich von dem Rest noch genug für Wärme und Nahrung habe.

    Natürlich gibt es immer was zu verbessern, das will ich nicht abstreiten.

    • Thorsten Haupts 15. Oktober 2026, 21:41

      Dem Dienstleister würde ich auch 90% geben wenn er die für die Grundlagen braucht, sinnvoll einsetzt, und ich von dem Rest noch genug für Wärme und Nahrung habe.

      Nach meiner Lebenserfahrung sind Sie mit der Position – so Sie die wirklich ernst meinen – ziemlich alleine. Ich würde das nicht. Und ich glaube auch Ihnen nicht so ohne weiteres, dass Sie auf Filme, Bücher, Zeitschriften, Urlaub, Kleidung, Bars oder Kneipen, Hobbies, Musik etc. verzichten wollen, was Sie bei dem 90% Modell müssten.

      Gruss,
      Thorsten Haupts

    • Stefan Pietsch 15. Oktober 2026, 23:00

      Ich habe mich im Studium mit den wissenschaftlichen Unterschieden von Umweltsteuern und Zertifikate-Systemen beschäftigt, ein Wissen, das für die meisten unnütz ist. 🙂 Sie haben nichts Entscheidendes versäumt.

      Wenn Sie die Verteidigung von Freiheitsrechten so definieren wie Sie es tun, ist es natürlich teuer. Nur, auch da ist Deutschland schlecht und ist nicht in der Lage, mit den normalen Steuereinnahmen ein funktionierendes Militär bereitzustellen. Das kann also nicht als Rechtfertigung für unsere hohe Steuerquote herangezogen werden, zumal Länder wie Polen noch weit mehr stemmen.

      Kriminalität ist etwas sehr subjektives. Statistiken sind objektiv, aber sie sagen nichts über das Sicherheitsgefühl einer Gesellschaft aus. Und das ist in diesem Bereich entscheidend. Gehe ich über die Fressgass in Frankfurt, ist da ein absolutes Sicherheitsgefühl. Nur gut einen Kilometer weiter im Bahnhofsviertel stolpert man über das ganze menschliche Elend und viele Aspekte der Kriminalitätsstatistik.

      Vor einigen Jahren war ich mir mit einem Unternehmen handelseinig. Dann legten sie mir einen Vertrag vor, der so vor Misstrauen und Absicherungsklauseln strotzte, dass ich nachfragte. Es war klar, dass die umfangreichen Regelungen das Ergebnis schlechter Erfahrungen war. Ich nahm dann Abstand von einem Vertrag, obwohl ich die Streichung der meisten Regelungen durchsetzen konnte.

      Jemand, der mal überfallen wurde, ist wesentlich sensibler in bestimmten Situationen, als jemand ohne solche Erfahrungen. Und das ist der entscheidende Punkt: Inzwischen hat ein viel höherer Anteil von Deutschen Erfahrungen mit Gewaltkriminalität durch Ausländer gemacht, dass das Vertrauen in die Sicherheit schwer erschüttert ist. Der Verweis, dass die meisten Zuwanderer keine Gewalttäter sind, ist da nur Placebo. Das weiß fast jeder, dennoch sind es zu viele. Wenn jedes Jahr 30.000 Messertaten verübt werden, dann ist es eine statistische Wahrscheinlichkeit, dass nach 5-8 Jahren ein relevanter Teil der Bevölkerung zumindest einmal mit einer solchen Tat als Opfer oder passiver Beobachter Erfahrung damit gemacht hat.

      Bildung ist Organisation. Und im Organisieren sind wir extrem schlecht geworden. Es verlangt Disziplin und Frusttoleranz, wofür die Grundlagen in der elterlichen Erziehung geschaffen werden.

      Zu den 90 Prozent hat Thorsten Haupts schon passend geantwortet. 🙂

  • Ariane 16. Oktober 2026, 00:49

    1)
    Arianes bestechend simple Sichtweise Ja, so kennt man mich^^
    Ich halte das Deutschlandticket (Schnapsidee btw, das Sozialrabatt nennen zu wollen) übrigens auch für gute Politik.
    Es zeigt übrigens, dass die Ampel das deutlich besser gemacht hat (auch „einfachere“ äußere Umstände mit dem Russlandeinmarsch allerdings), indem man beides gleichzeitig umgesetzt hat und zack hat man nichts, was man gegeneinander ausspielen kann, sondern eine Mobilitätsentlastung.
    Inklusive übrigens einer Übergewinnsteuer, die ebenfalls in diesem Maßnahmenpaket enthalten war.

    2) Großbritannien
    Muss gestehen, bin tatsächlich mittlerweile ein ziemlicher Fan von Burnham geworden, begeistert mich sogar mehr als Mamdani. Und das bezieht sich jetzt hauptsächlich auf den Stilwechsel.
    Aber das ist halt richtig richtig gut, dieser Slogan „bring back hope“ ist ungeheuer wirkmächtig und er verkauft das auch gut mit so einer Erzählung, dass immer gesagt wird, dies ginge nicht und das ginge nicht, aber so stimmt das ja nicht und dann hat er ja etliche kleine Maßnahmen schnell durchgesetzt, die überhaupt nicht das Rad neu erfinden, aber für viele Menschen im Alltag „erlebbar“ sind. (das gefällt meiner bestechend simplen Sichtweise^^)

    Ich hab auch die ganze Rede auf dem Parteitag gehört und sie war wirklich gut. Labour hatte da selbst noch einen Highlight-Clip, echt gut, echt professionell. Hab ich extra nochmal rausgesucht:
    https://x.com/andyburnham/status/2105023704304414726

    Also ich bin Fan – aber ich sehe das auch aus linker Perspektive. Mir schleierhaft, wie der Spiegel da Merz als Vergleichsfolie hernimmt, für Konservative funktionieren ja vielleicht ganz andere Dinge und die haben auch andere Probleme.

    Ein zentrales Problem der CDU ist nicht, dass Merz eine Nulpe ist, sondern dass die Partei innerlich völlig zerrissen ist
    Tja. doch schon, also es hilft halt nicht. Klar sind sie zerrissen und können sich nur noch drauf einigen, dass sie Merz doof finden. Aber das – verbunden mit der mittlerweile Komplettaufgabe jeglicher Autorität – verstärkt auch die Fliehkräfte und fungiert eben nicht als Gegenkraft.

    • Stefan Sasse 17. Oktober 2026, 08:49

      1) Exakt das.
      2) Weil Merz hier halt der Chef ist, nehme ich an. Also deswegen der Vergleich. Mit wem auch sonst? Klingbeil?

  • Andreas 16. Oktober 2026, 09:45

    Wenn ich Filme, Bücher, Zeitschriften, Urlaub, Kleidung, Bars oder Kneipen, Hobbies, Musik in eine Waagschale lege, und in die andere Lebensverhältnisse wie in der DDR, Russland, gepaart mit Acapulco oder Johannesburg, dann weiß ich was mir für mich und meine Lieben wichtiger ist.
    Ich will keine echten Sorgen haben, und keine Fremdbestimmung. Das sind Dinge die mich unglücklich machen würden, und die anderen Dinge erhöhen mein Glück erfahrungsgemäß nicht.

    Ich lebe aus ökologischen Gründen sparsam, Second Hand, Öffis, reparieren, selbermachen. Musikmachen macht viel glücklicher als welche zu hören, und achtsam sein viel mehr als Ablenkung.
    Ich freue mich tatsächlich und ungelogen immer noch jeden Tag darüber, daß ich meinen fetten bmw abgeschafft habe und empfinde das alles als Befreiung. Auch im Winter und wenn es regnet.

    Aber tatsächlich ist das schlicht ein Luxus, Verzicht so genießen zu können, denn ich bin recht wohlhabend geworden und könnte mir jederzeit kaufen was ich will.

    • Thorsten Haupts 16. Oktober 2026, 14:52

      Schön für Sie, meinen aufrichtigen Glückwunsch! Sie könnten sich nur klarmachen, dass Sie damit eine wirklich sehr kleine Minderheit repräsentieren 🙂 .

  • Andreas 17. Oktober 2026, 08:17

    Das ist mir bewusst. Es macht die Dinge die ich sage aber nicht irrelevant, oder?

    Wir leben hier noch auf einem sehr hohen zivilisatorischen Niveau, aber ich habe den Eindruck dass das wenig geschätzt oder überhaupt noch erkannt wird.
    In der Folge verliert die Aufrechterhaltung des Systems an Priorität gegenüber dem privaten Status, und die gemeinsamen Lebensgrundlagen gehen den Bach runter.

    Das DTicket ist immerhin ein Schritt in die richtige Richtung, der Tankrabatt einer in die falsche.

    • Stefan Pietsch 17. Oktober 2026, 10:35

      Was nicht geschätzt wird, ist, dass wir so hohe Steuern und Abgaben zahlen wie nur wenige Länder, die Leistungen aber im internationalen Maßstab bestenfalls durchschnittlich sind. Preis/Leistung passen nicht zusammen. Prägnant in der Rente: Mit den Zahlungen ins Rentensystem liegen wir deutlich im oberen Drittel der OECD. Bei den Auszahlungen dagegen bewegen wir uns im unteren Drittel. Gesundheitswesen das Gleiche: Wir zahlen am Drittmeisten, aber wenn es darum geht, was wir dafür bekommen, sieht es schlecht aus: Lange Verweildauern im Krankenhaus, Wartezeiten auf einen Arzt, Lebenserwartung, Schutz vor Krankheiten etc.

      So zieht sich das durch, egal was Sie an staatlichen Leistungen betrachten: Bildung, innere Sicherheit, Verteidigung, Digitalisierung. Suchen Sie sich’s aus. Zahlen Sie wirklich gern viel für wenig?

      Es steht jedem frei, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Aber statt ein stärker subventioniertes Ticket wäre es vielleicht sinnvoller, die Qualität der Leistungen – modernere Züge, Sauberkeit, Pünktlichkeit, engere Taktung usw. – zu investieren als Milliarden für Rabatte rauszuwerfen. Das wäre die richtige Richtung.

  • Andreas 17. Oktober 2026, 08:51

    Oder, etwas kompakter:
    Dticket erweitert Möglichkeitsraum für alle, schont die Umwelt, fördert Zusammenhalt und Begegnung. Mindert die Einkünfte von Autokraten.

    Tankrabatt tut in allen Punkten das Gegenteil.

    • Stefan Pietsch 17. Oktober 2026, 10:37

      Wer mal zu Zeiten der Hochsubventionierung mit der Bahn gefahren ist, wird das nur begrenzt bestätigen: Übervolle Züge und Bahnhöfe, Besoffene und Gewaltbereite, die nach Sylt fahren auf Steuerzahlerkosten, denen sie dann das Leben schwer machen.

      • Stefan Sasse 18. Oktober 2026, 10:01

        Ich war während des 9€-Tickets auf Sylt, mit den Öffentlichen btw, und Soddom und Gomorrah blieben aus. Da lässt du dich vielleicht arg von Klischees leiten. Galt übrigens damals auch für die Punks auf Sylt, das war genau ein Spot mit zwanzig Zelten in Westerland 😀

        • Stefan Pietsch 18. Oktober 2026, 11:13

          Ich habe es gar nicht gekauft. Dafür habe ich in Berlin einen völlig überfüllten Bahnhof erlebt. Das waren meine Erfahrungen mit dem 9€-Ticket.

          • Stefan Sasse 19. Oktober 2026, 14:22

            Da schau, ich bin drei Monate mit dem 9€-Ticket massiv rumgefahren – und hierzulande blieb der Untergang des Abendlandes aus. Vielleicht sollte man nicht aus der anekdotischen Evidenz eines Vorbeilaufens am Berliner Bahnhof (der übrigens oft ziemlich voll ist, wie jeder Hauptbahnhof) gleich so weitreichende Schlüsse ziehen.

            • Stefan Pietsch 19. Oktober 2026, 17:23

              Nun ja, das Problem mit dir ist ja, dass du weder anekdotische Geschichten noch Studien akzeptierst. Du beschreibst ein Verhalten, das in der Zeit der Hochsubventionierung typisch war: Die Menschen machen Fahrten, die sie normalerweise unterlassen hätten.

              Weder wird damit der CO2-Ausstoss des mobilen Sektors reduziert noch die Kapazitäten der öffentlichen Verkehrsmittel erweitert und modernisiert. Busse, S- und U-Bahnen sowie die Züge der Bahn müssen über der Kapazitätsgrenze fahren, was den Verschleiß erhöht, aber keinen Cent mehr für Investitionen erzeugt. Eine dieser typisch linken Verschwendungsideen, wo das Grundprinzip immer ist: „die anderen“ sollen zahlen.

              • Stefan Sasse 21. Oktober 2026, 10:28

                Klar reduziert es den CO2-Ausstoß, wenn ich öfter die Bahn nehme statt das Auto, weil es subventioniert ist! Ich bin vor dem DTicket nie Bahn gefahren, weil es viel zu teuer war.

                • Stefan Pietsch 21. Oktober 2026, 12:37

                  2022 wurde das von dir so gelobte 9€ Ticket eingeführt. Im Jahr zuvor lagen die Emissionen des mobilen Sektors bei 147 Millionen Tonnen CO2. Im Jahr des Ticket stiegen sie geringfügig auf 148 Millionen Tonnen an. Im Jahr darauf, der Hype war vorbei und die Subvention war ausgelaufen, sinken sie auf 146 Millionen Tonnen.

                  Wo genau ist der Effekt aus dem 9€-Ticket angefallen? Die Zahlen bestätigen die Studien: Die Menschen haben das Ticket genutzt, um mehr zu fahren, nicht, um bei ihren genutzten Verkehrsmitteln umzusatteln. Das ist eine sehr teure Subvention von mobilen jungen Großstädtern, die auf Kosten anderer ihre Freizeit gestalten wollen.

        • Ariane 18. Oktober 2026, 17:03

          Denen hats übrigens so gut gefallen, dass sie das immer noch machen und jetzt überzeugtere Sylt-Urlauber Fans sind als du 😀

          • Stefan Sasse 19. Oktober 2026, 14:23

            Ich bin schon ziemlich Hardcorefan von Sylt, da seh ich mich mit Christian Lindner.

  • Andreas 17. Oktober 2026, 11:00

    Das Verkehrssystem ist ganz sicher verbesserungs- und erweiterungswürdig, aber was wir haben ist schon sehr gut.
    Wie das Individuum sich verhält und wo es hinfährt ist ein ganz anderes Thema.

    • Stefan Pietsch 17. Oktober 2026, 23:15

      Das sind Euphemismen. Die Einfallstraße in der Nähe unseres Hauses wurde seit knapp 30 Jahren nicht mehr instandgesetzt. Bis vor kurzem sah sie so aus wie die Hauptverkehrsader auf unserer kleinen griechischen Lieblingsinsel – und da fahren praktisch keine Autos. Inzwischen wird sie repariert und modernisiert. Für so 400m inklusive der Bürgersteige, die einem Entwicklungsland zur Ehre gereicht hätten, benötigt unser Land mehr als ein halbes Jahr. Die Hauptverteilung unserer Stadt, deren Einkommensniveau über Bundesdurchschnitt liegt, wird seit 3-4 Jahren repariert und neu gestaltet. Ein Ende ist nicht absehbar.

      Für all diese Instandhaltungsausgaben braucht unser Staat Kredite, weil ihm die hohen Steuereinnahmen nicht reichen. Wissen Sie, ich nehme lieber die griechische Straße auf unserer Insel und das griechische Steuerniveau als das deutsche Steuerniveau mit einer Infrastruktur auf dem Niveau abgelegener griechischer Inseln.

      Seien wir doch ehrlich: Achtzig Prozent der Zahlungen, die wir leisten, fließen weder in Bildung noch Infrastruktur. Ein hohes Steuernniveau kann daher nicht Ausdruck einer guten Infrastruktur sein. Eine schlechte Infrastruktur ist allerdings Beleg für die fehlgeleiteten Prioritäten eines Staates.

  • Andreas 17. Oktober 2026, 21:06

    ‚Was nicht geschätzt wird, ist, dass wir so hohe Steuern und Abgaben zahlen wie nur wenige Länder, die Leistungen aber im internationalen Maßstab bestenfalls durchschnittlich sind. Preis/Leistung passen nicht zusammen. ‚

    Vieles ist ganz sicher verbesserbar. Dafür kann man sich einsetzen. Und bestimmt bekommen andere das besser hin.
    Aber das Preis-Leistungsverhältnis halte ich immer noch für gut. Wie sähe mein Leben aus, wenn ich z.B. mich selbst oder meine Buddies für Verteidigung gegen innere und äußere Feinde einsetzen müsste? Steuern zahlen scheint mir da noch immer ein sehr guter Deal zu sein, auch wenn es da viele Reibungsverluste gibt.

    Vieles ärgert mich auch, vieles würde ich anders handhaben, aber wir sitzen in einem ziemlich grossen Boot mit permanent wechselnden Kapitänen auf einem relativ chaotischen Ozean.

    Es ist nicht wenig was ich zahle, aber immer noch viel, was ich bekomme. Und ja, es könnte mehr sein. Luft nach oben ist da sicher.

    Ich bin 60, und wenn ich auf mein Leben zurückblicke, bin ich dankbar für alles. Das wünsche ich meinen Kindern auch, und da sieht es eher düster aus.

    • Stefan Pietsch 17. Oktober 2026, 23:32

      Sie sind sehr altersmilde. Doch die Bewertung der Effizienz eines Staates ist nicht Teil politischer Meinungen. Dafür gibt es harte Kennzahlen, die objektiv vergleichbar sind. Wenn Sie so die Verteidigung herausstreichen, ist das ein Symptom dafür: Nach der Verfassungsänderung muss der Bund nur gigantisch niedrige 1 Prozent des BIPs für Verteidigung aus seinen laufenden Steuereinnahmen bestreiten. Den Rest zu gewünschten ehemals 2 Prozent, heute 4 Prozent darf er aus Krediten bestreiten, die nie zurückgezahlt werden. Länder wie Polen oder die Balten bestreiten das aus Eigenmitteln. Eine solche Politik kann auf Dauer nicht gutgehen.

      Die meisten Menschen im Westen haben ein Einsehen für die Notwendigkeit von Steuern. In Deutschland ist aber der Zusammenhang zwischen Zahlung und Leistung verloren gegangen. Wenn Mitarbeiter nach Gehaltserhöhungen fragen, kalkulieren sie die nach ihrem erhofften Netto. Die Gewerkschaften tun das auch und tun so, als wäre für die Zahlung von Steuern der Arbeitgeber verantwortlich.

      Wenn wir uns über niedrige Renten beklagen, warum nageln wir nicht endlich die Politiker ans Kreuz, die jahrzehntelang mit ihrer Ablehnung einer Kapitaldeckung und dem Feiern der Umlagenrente ein betrügerisches Schneeballsystem installiert und erhalten haben? Ein System, das darauf beruht, immer mehr Bürger in das System ziehen zu müssen, um für die Empfänger die Zahlungen zu erhalten.

      Seit der Jahrtausendwende zahlen Arbeitnehmer rund 25 Prozent ihres Gehalts in die Rentenkasse. Darin enthalten ist sowohl der Arbeitgeberanteil als auch umgelegt die von Rot-Grün eingeführte Ökosteuer auf Benzin und Diesel („Rasen für die Rente“). Dafür bekommen sie im Alter so 46 Prozent ihres früheren Einkommens, was für viele nur die Rückzahlung der alten Beiträge bedeutet.

      Die Politik weiß insgeheim um diesen Betrug. Die Debatte um die „Haltelinien“ von 48 Prozent sind deswegen so heftig, weil darunter der Bereich beginnt, wo der Staat den Beitragszahlern nicht einmal mehr ihre Einzahlungen erstatten und die „Rendite“ ins Minus kippen würde. Das aber ist wegen des Charakters von Beiträgen (= Äquivalenzprinzip) eine kalte Enteignung und damit ein Fall für das Verfassungsgericht. Die Fachleute wissen das ganz genau, weswegen die Politik so große Klimmzüge unternimmt, den Offenbarungseid zu vermeiden.

      Nein, dafür zahle ich nicht gerne.

  • Andreas 18. Oktober 2026, 08:45

    Es ging um Dticket versus Tankrabatt, und ich denke, in dieser Debatte habe ich einen Punkt.
    Und ich bin nicht altersmilde. Alles, was Sie da schreiben wird schon so sein, ich sage ja, dass vieles verbesserungswürdig und -fähig ist und dass man sich dafür einsetzen kann.
    Unser System ist sehr durchlässig und politische Macht einigermaßen gut organisiert. Ein freies Land.

    Aber die für das Leben wirklich wesentlichen Dinge liefert das System, und dafür bin ich zutiefst dankbar und dafür zahle ich gern.

    Was sind denn unpünktliche Züge und Schlaglöcher (ich fahre ja nur Fahrrad und kriege zum Zustand der Wege mehr physische Rückmeldung als ein Autofahrer) etc. gegen Dinge wie Mafia, Fensterstürze, Morde an Oppositionspolitikern, Angriffskriege, dauernde Raubüberfälle, Ämterkorruption, Hunger und Ebola?

    Der Staat ist nicht zuständig für meinen Wohlstand und meine Bequemlichkeit. Das brauche ich nicht einmal. Aber Sicherheit, Bildung und langfristig gesunde Umwelt für mich und meine Kinder schon. Darauf bin ich angewiesen, das kann ich allein nicht herstellen, und der Staat liefert es. Das schätze ich.

    Insofern: Dticket gut, Tankrabatt schlecht.

    • Stefan Pietsch 18. Oktober 2026, 11:21

      Lieber Senator Cato,

      wenn der Vergleich Entwicklungsländer und Diktaturen sind, ist die Position nachvollziehbar. Ich vergleiche Deutschland mit Uruguay, sogar mit einem Land wie Ecuador, mit Griechenland, Spanien oder wenn ich den Maßstab ganz hoch ziehe mit den Niederlanden oder der Schweiz. Es gibt kein Land, wo der Vergleich wirklich schmeichelhaft für uns ist.

      Doch, der Staat ist für Ihren Wohlstand zuständig. Ein moderner, liberaler Staat hat in zu ermöglichen, zu befördern, aber keinesfalls zu verhindern. Wenn die Deutschen wesentlich weniger vermögend sind als ihre Nachbarn, ja selbst als Italiener und Spanier, weniger häufig im Eigenheim wohnen und weniger auf dem Konto haben als sie im Vergleich zu anderen Ländern verdienen, dann verhindert unser Staat Wohlstand. Und wenn unser Staat nicht einmal mehr in der Lage ist, mit einiger Sicherheit unseren Kindern Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen, dann ist er keinen Cent unserer Steuern wert.

      Meine Bahnkarte kann ich mir selbst leisten. Dafür brauche ich keinen Staat.

  • Andreas 18. Oktober 2026, 20:43

    Ich brauche auch keine Bahnkarte vom Staat, aber ich begrüßte die Initiative, aus dargelegten Gründen.
    Es ging mir nicht darum, Deutschland mit anderen Ländern zu vergleichen, sondern darum darzulegen, warum mir gute Lebensgrundlagen wichtig sind. Aus meiner Perspektive ist Wohlstand im Vergleich zu Freiheit und Recht völlig unwichtig und wie gesagt sehe ich mich für Wohlstand selbst in der Verantwortung, sofern ich mehr davon haben will.
    Bildung sehe ich wie ausgeführt nicht als etwas an, was sich mit Gelddraufwerfen wesentlich verbessern lässt.
    Mir kommt es garnicht in den Sinn, den Wohlstand oder die Steuerlast anderer Länder zu vergleichen. Ich könnte da ja auch hinziehen wenn ich wollte.
    Und wenn mir hier etwas am staatlichen agieren nicht gefällt, dann kann ich mich ja engagieren und mache das auch.
    Aber um Wohlstand oder zu viele Steuern gehts da nicht, das ist mir die Sache nicht wert. Freiheit, Recht und Umweltschutz schon.

    • Stefan Pietsch 18. Oktober 2026, 22:24

      Ich brauche auch keine Bahnkarte vom Staat, (..).

      Genau das ist der Punkt. Warum sollte man Ihnen dann die Bahnkarte geben?Dass die Transferleistungen trotz hohen Steuern und Beiträgen nur durchschnittlich sind, liegt auch an diesem Gießkannenprinzip. So vergleichen Linke gerne das österreichische Rentensystem mit Deutschland. Dabei unterschlagen sie, dass unsere Nachbarn besser das Geld zusammenhalten: Spätere Ansprüche, keine extremen Begünstigungen von Beamten, keine Pflegeversicherung.

      Nur Verliebte vergleichen nicht. Bei jedem Einkauf überlegen Menschen, ob ihnen ein Produkt oder Leistung das Geld wert ist. Der Job wird im Für und Wider abgewogen, selbst das geliebte Hobby unterliegt zeitweise der Überprüfung. Seit Jahrzehnten verliert das Land im 12-Monatsturnus immer mehr Bürger, weil die Menschen das Gebotene als zu teuer für das Erhaltene bewerten. Es sind die Hochveranlagten, Talentierten und Vermögenden, die gehen, nicht die Untalentierten und Armen.

      Ich kann ja nicht über Ihre individuelle Wertung urteilen. Und ich konstatiere auch, dass viele Menschen in diesem Land in einer Liebesbeziehung zu ihrem Staat leben, was sich für sie einer rationalen Bewertung entzieht. Aber dieser Staat überzeugt immer weniger jene, auf die es eigentlich ankommt. Jene, die Arbeitsplätze schaffen, die hier investieren und Risiken eingehen, die Spitzensteuersätze und Spitzenbeiträge zahlen. Und es kommt sicher nicht auf jene an, die so gerne kostenlos mit der U-Bahn befördert werden.

      • Stefan Sasse 19. Oktober 2026, 14:30

        Du brauchst auch keine Tankfüllung vom Staat und verlangst sie dennoch.

        • Stefan Pietsch 19. Oktober 2026, 17:12

          Nein. Ich verlange nur, dass sich der Staat in seinen Ansprüchen an die Bürger mäßigt. Dieses Muster bei mir sollte dir doch bekannt vorkommen. Das gilt für die Einkommensteuer, das gilt für Sozialabgaben, das gilt für die Besteuerung von Vermögen und Erbschaften, das gilt für Eingriffe ins Privatleben. Und natürlich gilt dieses prinzipielle Verlangen auch für die Besteuerung meines Konsums.

          Bei dir ist als prinzipielles Verlangen nur zu erkennen, der Staat möge doch bitte so viel wie möglich nehmen – und es an die Beamten sowie alle, die du für bedürftig erachtest (Flüchtlinge, Taugenichtse, Langschläfer) verteilen.

          Wie gesagt, der Staat soll nur die von ihm automatisierte Erhöhung von Anfang des Jahres stornieren. Mehr will ich gar nicht. Du willst mehr Geld von jenen, die nicht Stefan Sasse heißen.

          • Stefan Sasse 21. Oktober 2026, 10:28

            Ich glaub dir hakts.

            • Stefan Pietsch 21. Oktober 2026, 12:30

              Scheinbar habe ich einen Punkt getroffen. Mein Prinzip (es ist eins, nicht zwanzig) habe ich dargestellt. Es gilt für den Investor mit einer Milliarden im Rücken, der hohe Risiken eingeht wie für die Alleinerziehende, die eine Arbeit aufnehmen will und nicht vom Mix aus hohen Steuern, Abgaben und Transferentzug geknebelt werden soll.

              Dein Wertesystem unterscheidet sich völlig von meinem. Das ist ja nicht verwerflich. Nur dazu stehen sollte man. Wann hast Du mal für niedrigere Steuern für die oberen 20 Prozent plädiert? Ein Anlass hätte z.B. die Abschaffung des Solis 2020 sein können, als auch die Staatsfinanzen in Ordnung waren. Du plädierst dagegen für höhere Steuern auf alles, was dir nicht gefällt: Autofahren, Zucker, Tabak, Flugreisen, Luxuswaren. Gebe mir ein Beispiel, wo du gegen deine eigene Haltung und Position für niedrigere Steuern – gerne Einkommensteuer und Vermögensteuer – eingetreten bist. Das notiere ich mir im Kalender.

  • Andreas 19. Oktober 2026, 08:38

    „Warum sollte man Ihnen dann die Bahnkarte geben?“

    Weil ich seitdem nur noch öffis benutze und mein Auto abgeschafft habe. Natürlich kann ich mir jederzeit eine Fahrkarte kaufen, aber das ist umständlich und unflexibel. Mich hat das von meinem Auto befreit, und so empfinde ich das immernoch jeden Tag.
    Hätte ich früher auch nicht gedacht. Ich saß in meinem rollenden Wohnzimmer und schaute mir warm, trocken und zufrieden die Radfahrer im Regen an, ich hielt das für Freiheit. Mit meiner jetzigen Erfahrung erkenne ich es als das Gegenteil. Und tatsächlich bin ich in meinem Umfeld damit nicht allein. Es gibt Nachahmer.

    „Nur Verliebte vergleichen nicht.“
    Das ist wirklich Quatsch. Ich bin alles andere als zufrieden mit Staat und Gesellschaft, nur eben nicht wegen zuwenig Wohlstand oder zu hohen Steuern. Damit kann ich leben, Wohlstand macht mich nicht glücklich. Eine offene, freiheitlich und gesunde Zukunft für mich und meine Leute aber sehr. Leider ist das bedroht.
    Zuwenig Rente ist ok, solange ich nicht hungern oder frieren muss.
    Möglicherweise ist hoher Wohlstand der Zufriedenheit sogar hinderlich, weil er von den wirklich wichtigen Dingen wie Muße, Freundschaft und Nähe ablenkt. Oder solche Bedürfnisse uneffektiv und ressourcenschädigend substituiert.

    „Es sind die Hochveranlagten, Talentierten und Vermögenden, die gehen, nicht die Untalentierten und Armen.“

    Das glaube ich nicht. Die haben nur die Freiheit sich sonnigere, interessantere oder gesündere Ecken mit interessanteren persönlichen Perspektiven auf dem Planeten zu suchen. Die gehen doch nicht aus fiskalischen Gründen, das hätten sie ja nicht nötig.

    • Stefan Pietsch 19. Oktober 2026, 09:22

      Weil ich seitdem nur noch öffis benutze und mein Auto abgeschafft habe.

      Aber dafür brauchen Sie nicht noch mehr staatliche Subventionierung. Denn diese Subventionierung muss wieder jemand bezahlen. Ich gönne Ihnen Ihr Wohlbefinden. Für meine Frau sieht das so aus, dass sie im Schnitt mit 30% Verspätung auf einfachen Kurzstrecken zu rechnen hat, leider unkalkulierbar, weshalb sie für den Arbeitsweg hin am frühen Morgen einen Sicherheitspuffer von 30 Minuten + einkalkulieren muss. Addieren sich die Bahnverspätungen auf mehr, geht das zulasten ihrer Arbeitszeit, was also Abzug von ihrer Freizeit bedeutet. Rückfahrt das gleiche Drama mit den entsprechend hohen privaten Kosten. Das Auto produziert weit geringere Opportunitätskosten in Zeit. Dazu kommt die Beschallung mit unerwünschter arabischer Musik und das Mithören privater Telefongespräche. Was entspannend ist und was nicht, wird offensichtlich ganz unterschiedlich wahrgenommen.

      Das ist wirklich Quatsch.

      Das bezog sich auf die Ansicht, Vergleiche mit anderen Ländern würden sich erübrigen.

      Die Motive von Auswanderern sind keine Glaubensfrage. Das höhere (Netto-) Einkommen ist ein Hauptmotiv für Auswanderer. Alles andere wäre ja auch seltsam. Für den Unterschied zwischen Brutto und Netto ist der Staat zuständig.
      https://www.welt.de/wirtschaft/plus6a070514639442857fa20428/auswandern-so-lukrativ-ist-das-ausland-fuer-top-verdiener.html
      https://www.focus.de/politik/ausland/investment-migration-boomt-superreiche-suchen-das-weite_9adf5f7e-8a32-4dd3-9b04-b844c8451b05.html
      https://www.hrm.de/studie-warum-viele-deutsche-auswandern/

    • Stefan Sasse 19. Oktober 2026, 14:31

      Ich versuche auch, das Auto so weit wie möglich stehenzulassen. Geht nicht immer, aber ich plane nach Ablauf des Leasings auf Carsharing umzusteigen.

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